Wenn der kleine Hunger kommt …

Vielleicht eine etwas zynische Überschrift für eine Beschäftigung mit der aktuellen Hungerkrise, aber mir geht es schließlich nicht um empathisches Mitleiden, sondern um ne Betrachtung des deutschen Umgangs mit dem Thema. Angesichts der sich verbreitenden Hungerrevolten kriegen die Herrschaften aus den internationalen Eliten langsam Bammel, dass sich sowas ja sogar noch verschärfen könnte und dann negative Folgen für die geheiligte Wirtschaft auftreten könnten, so dass selbst Weltbank und IWF vor den Gefahren warnen.
Zumindest in den deutsch-sprachigen Medien ist die Einsicht in die Problematik wiedermal geradezu grotesk. So wird jetzt plakativ eine UNO-Formulierung, die die Hungersnöte als „stillen Tsunami“ bezeichnet haben, verbreitet, womit die von Menschen herbeigeführten Hungersnöte quasi zur Naturkatastrophe erklärt werden, die nun unauafhaltsam über uns hereinbricht. Auch wenn teilweise die Verknüpfung zu Biosprit und grundsätzlichen Verteilungsproblemen der Nahrungsmittelproduktion hergestellt wird, bleibt das alles wie immer an der Oberfläche und verschleiert damit das eigentliche Problem.
Ähnlich desorientiert wirkt die Politik, die jetzt ganz überraschend feststellt, dass man zu Biosprit verarbeitetes Getreide nicht mehr essen kann und deswegen das ganze Thema zu Merkels Chefsache erklärt. Außer nem Moratorium für Biosprit und Seehofers Idee jetzt noch mehr subventioniertes europäisches Getreide auf den Weltmarkt zu pumpen, um den Kleinbauern endgültig die ökonomische Grundlage zu entziehen (wobei er ja gerade erst die grandiose Entdeckung gemacht hat, dass es den Agrarkonzernen hauptsächlich um Gewinn geht), scheint sich noch nicht viel in den Minister-Köpfen getan zu haben.
Fazit: Wie bei jeder Katastrophe folgt auf eine lange Zeit der Verdrängung und Leugnung nun die Betroffenheitsberichterstattung, die aber nie vergisst auf denen entscheidenden Umstand hinzuweisen, dass es schließlich um Gefahren für die weltweite Ökonomie geht. Danach folgt panischer Aktionismus der Politik, wobei getrost von 98% Fehlleistung ausgegangen werden kann. Und sobald das Thema wieder von den Bildschirmen verschwunden ist, werden die Hungernden sich wieder um sich selbst kümmern müssen, ohne dass es zu irgendeiner wesentlichen Infragestellung der zugrundeliegenden ökonomischen Probleme kommt… so ist die Welt wohl.





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