Werner Pirker, Blut und Boden und Israel

Nachdem inzwischen wenigstens Jürgen Elsässer bei der ‚Jungen Welt‘ den Platz räumen musste und seitdem beim ‚Neuen Deutschland‘ schreibt, sollte man der ‚Jungen Welt‘ das selbe Vorgehen für ihren Redakteur Werner Pirker nahe legen. Dieser beschäftigt sich in der ‚Jungen Welt‘-Ausgabe vom 25.4.08 mit der Israel-Rede von Gregor Gysi (die Rede kann man hier nachlesen). Wer Werner Pirker und seine anti-israelischen und antisemitischen Ausfälle kennt, kann sich schon denken, was da geschrieben wurde. Dennoch war ich ziemlich entsetzt, als ich es tatsächlich öffentlich abgedruckt gelesen habe:

Werner Pirker eröffnet erstmal plump mit der Feststellung, dass es sich bei Solidarität mit Israel eindeutig um „Solidarität mit dem Aggressor“ im Nahostkonflikt handeln würde. Woher diese Gleichsetzung bei ihm kommt, legt er ein paar Zeilen weiter da:

Denn Gysi, der die Solidarität mit Israel aus deutschem Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Geschichte einfordert, ist gewiß kein »Antideutscher«. Doch auch die antideutsche Attitüde ist in ihrem Wesen nicht antideutsch, sondern antiarabisch. Die sehr deutsche Absicht der Nationalnihilisten besteht darin, deutsche Schuldkomplexe auf die arabisch-islamische Welt abzuwälzen, die »Kameltreiber« für Auschwitz büßen zu lassen.

Also die Logik ist ganz einfach: Wer Israel als die Konsquenz aus deutschem Vernichtungsantisemitismus betrachtet, ist in Wirklichkeit ein glühender anti-arabischer Rassist, der die Konsequenzen des Holocausts auf die arabische Bevölkerung abwälzen möchte. Denn die einseitige Aggression ist für ihn offensichtlich die Existenz Israels im Nahen Osten.
Dass Pirker nicht viel vom israelischen Existenzrecht hält, insbesondere dann nicht, wenn damit eine eingeborene Bevölkerung ihr angestammtes Blut und Boden Recht einbüßt, macht er im nächsten Absatz deutlich:

Hier wurde vielmehr eine Grundhaltung deutlich, die sich darin äußert, daß das Recht des jüdischen Nahoststaates auf Existenz ein absolutes sei, das alle palästinensischen Ansprüche relativiere. So soll die – aus palästinensischer Sicht – Katastrophe der israelischen Staatsgründung, die Unterordnung der autochthonen Bevölkerung unter das Siedlerdiktat für alle Zeiten fortgeschrieben werden.

Diese Blut und Boden Ideologie, nach der die ‚Eingeborenen‘ auch noch nach Generationen die eigentlichen Eigentümer des Landes wären, wird hier gegen das Existenrecht Israels in Stellung gebracht. Mit der gleichen Argumentation geht auch die preußische Treuhandstiftung hausieren, die für deutsche Umsiedler gegen Polen klagen will. Aber es geht noch weiter:

Wohl aber, daß die Legitimität der nationalen Rechte der Palästinenser an deren Anerkennung der Legitimität des Zionismus und damit ihrer Vertreibung geknüpft sei. Das ist noch keiner anderen Nationalität zugemutet worden: Daß ihre Existenzberechtigung der Bedingung unterliegt, die Existenz eines Staates zu akzeptieren, der auf der Negation ihrer Existenz aufgebaut ist.

Hier wird also suggeriert, es wäre nationales Recht und Grundbedingung der palästinensischen Nationalität, das gesamte Land für sich zu beanspruchen, während eine Anerkennung Israels als Negation einer palästinensischen Existenz dargestellt wird. Warum es keine palästinensische Existenz UND Israel geben kann, wird wohl nur durch die reaktionäre Blut und Boden Ideologie Pirkers verständlich. Die Frage des Landes ist für Pirker damit aber noch nicht beendet, sondern er legt nochmal nach:

Den Palästinenserinnen und Palästinensern zu empfehlen, ihren Boden den Überlebenden des Holocausts zu überlassen, war hingegen nicht zu viel verlangt. Für den deutschen Linkspolitiker ist einzig der jüdische Emanzipationsdiskurs maßgeblich. Über das Schicksal des Landes der drei Religionen hatte nicht dessen angestammte Bevölkerung zu entscheiden. Es war entschieden, als Opfer und Täter zur Ansicht gelangten, daß den Jüdinnen und Juden der Verbleib in anderen Nationalstaaten nicht mehr zuzumuten sei.

Dass es natürlich für die dort ansässige Bevölkerung eine enorme Zumutung war, wird niemand bestreiten. Interessant ist nur, dass Pirker es offensichtlich nicht für notwendig hält, dass Juden und Jüdinnen selbst über ihren eigenen Staat bestimmen, sondern könnte dies nur als Gnadenakt einer wie auch immer bestimmten ‚angestammte Bevölkerung‘ akzeptieren, die Juden und Jüdinnen ‚bei sich‘ aufnimmt. Im Klartext: nach Progromen und Holocaust hätten Juden und Jüdinnen bei anderen um Aufnahme zu betteln. Schön auch nochmal wie hier mit Blut und Boden Ideologie den Juden und Jüdinnen grundsätzlich jede eigene Staatlichkeit verweigert wird, da sie ja nirgends angestammte Bevölkerung sind und damit immer gegen das Blut und Boden Recht der angestammten Bevölkerung verstoßen würden. Die Nähe zur Nazi-Argumentation vom wurzellosen Volk, dass der Feind aller natürlich gewachsener Völker und damit die Anti-Rasse schlechthin sei, ist überdeutlich. Aber für Pirker gibt das natürlich wieder Sinn, dennn schließlich unterstellt er ja Israel auch einen landraubenden Imperialismus oder in seinen Worten:

Israel bildet in nahöstlicher Aktionseinheit mit der alleinigen Supermacht USA das Gravitationszentrum des imperialistischen Krieges.

Aber nicht nur die Schuldfrage im Nahostkonflikt ist für Pirker eindeutig geklärt, sondern auch die Frage nach einer richtigen Positionierung gegenüber den Konfliktparteien ist für ihn eindeutig bestimmt und wird nun durch Gysi in Frage gestellt:

Sollte seine Position in der Linkspartei mehrheitsfähig werden, würde das auch einen dramatischen Bruch mit der bisher eingenommen Haltung der Äquidistanz zu den nahöstlichen Konfliktparteien bedeuten. Die hatte immerhin noch zur Folge, daß israelische Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen beim Namen genannt wurden. Dieser Konsens – Eintreten für eine gerechte Friedenslösung, bei stärkerer Betonung der legitimen Anliegen der unterlegenen palästinensischen Seite – ist nun vom Fraktionsvorsitzenden aufgebrochen worden. Denn Solidarität mit Israel zu bekunden, bedeutet eindeutig Partei für jene Seite zu ergreifen, die sich der seit Jahrzehnten andauernden Unterdrückung des palästinensischen Volkes schuldig gemacht hat.

Insbesondere der logische Widerspruch, zuerst eine Äquidistanz von den Konfliktparteien für sich in Anspruch zu nehmen (was im Kontext seiner vorangegangenen Äußerungen schon lächerlich genug ist), aber im selben Absatz dann eine stärkere Gewichtung für die Palästinenser einzufordern, zeigt wie konsistent seine Position eigentlich ist. Wem jetzt schon gruselt vor seiner ‚gerechten Friedenslösung‘, der/die sollte den nächsten Absatz überspringen, denn da zeigt er noch mal klar und deutlich auf, warum es überhaupt einen Konflikt gibt und warum das ganze mit Antisemitismus natürlich nichts zu tun hat:

Der Judenhaß erscheint ihm [Gysi] offenbar als ehernes Naturgesetz. Ungeachtet der Tatsache, daß es einen solchen in der arabisch-islamischen Welt vor der Säuberung Palästinas von seiner arabischen Bevölkerung nicht gab. An die These vom ewigen Antisemiten knüpft Gysi die Behauptung, daß allein der Staat Israel eine wirksame Garantie für den Schutz der Juden vor antisemitischen Pogromen sei: »Die Grundannahme des Zionismus, wenn die Jüdinnen und Juden eine Staatsmacht haben wollen, die sie auch wirklich schützen soll, dann nur in ihrem eigenen Staat, ist nach dieser historischen Erfahrung kaum noch ernsthaft bestreitbar«. Es mag auch eine Grundannahme des Zionismus gewesen sein, daß sich die arabische Bevölkerung Palästinas nach der Ankunft jüdischer Siedler in Luft auflösen würde. Als dies nicht geschah, wurde sie mit Gewalt aus dem Land vertrieben. Inzwischen ist es eine Grundannahme des Zionismus, daß Israels »Selbstverteidigung« gegen seine arabischen Feinde der Verhinderung eines »zweiten Holocaust« diene. Was also als Schutzmacht vorgesehen war, ist selbst zum Schutzobjekt geworden. Es war jedenfalls eine äußerst seltsame Annahme, zu meinen, sich vor Anfeindungen schützen zu können, indem man sich der Heimat eines anderen Volkes bemächtigt. Der begreifliche Haß, den die Kolonisten auf sich gezogen haben, wurde dann umgehend als Antisemitismus denunziert. Wenn Antisemitismus tatsächlich nur auf Projektionen beruhen würde, wie es psychoanalytische Deutungen nahelegen, er also nicht eine Reaktion auf das reale Verhalten von Juden ist, dann können die Opfer der zionistischen Landnahme ganz bestimmt keine Antisemiten sein. Sie hassen ihre Unterdrücker, weil sie Unterdrücker und nicht weil sie Juden sind.

Also der Hobby-Historiker und Palästinenser-Kenner Pirker fasst zusammen: Antisemitismus gab es im arabischen Raum nicht, bevor die Juden kamen und außerdem ist das kein Antisemitismus, sondern Hass auf die ‚Besatzer‘. Mal abgesehen davon, dass er damit alle historischen Forschungen über einen arabischen Antisemitismus auch schon vor Israel unter den Tisch fallen lässt, ist seine Behauptung zur Nicht-Existenz eines Antisemitismus in den Palästinensergebieten geradezu grotesk. Offensichtlich hat er nicht nur Verständnis für seine Hamas-Freunde, sondern teilt auch noch ihre Beweggründe, weshalb er deren antisemitische Ideologie so offensiv verteidigt. Seine offenen Sympathien für den antisemitischen Terror und seine in sich widersprüchliche und zutiefst reaktionäre Argumentation mit Blut und Boden sind unerträglich. Der weitere Text bietet wenig Neues und enthält insbesondere weitere Angriffe gegen das Existenzrecht Israels als Schutzraum für Juden und Jüdinnen und Denunziationen gegen Gysi und alle anderen, die den ‚Befreiungskampf‘ von Pirkers autochonen Völkern nicht so gut finden.

Fazit: Nicht ohne Grund lese ich die Junge Welt nur noch selten. Aber solch offener Antisemitismus, der die Schuld für antisemitischen Terror natürlich bei den Juden sucht, und gleichzeitig mit einer richtig kruden und in sich widersprüchlichen ‚Argumentation‘ versucht genau das zu verschleiern, ist mir schon länger nicht mehr unter gekommen. Für die Junge Welt kann man nur hoffen, dass der schon lange überfällige Schritt erfolgt und sich Pirker endlich verpissen muss. Dann hat Pirker auch endlich Zeit seinen Freunden, die „sich unter der grünen Fahne des Propheten sammeln“ in ihrem ‚Befreiungskampf‘ zur Seite zu stehen.


27 Antworten auf „Werner Pirker, Blut und Boden und Israel“


  1. 1 - revolution - 26. April 2008 um 11:14 Uhr

    Als Ergänzung:

    Heute hat Pirker gleich den nächsten Knüllerartikel veröffentlicht zum Thema ‚Carter besucht die Hamas‘. Die besten Zitate habe ich mal rausgesucht, überraschenderweise behauptet er nicht, dass Israelis kleine Kinder essen:

    Palästinenser, die ihr völkerrechtlich verbrieftes Recht auf Widerstand gegen die illegale Besatzung wahrnehmen, wurden von den Israelis, deren Staat auf Terror gegründet ist, seit jeher als »Terroristen« denunziert. Entsprechend schmutzig ist der Krieg, den die Zionisten gegen die Vertriebenen und Entrechteten führen.

    Die antipalästinensische Dreieinigkeit – Israel, USA und EU – glaubt nämlich, eine Befriedung des Palästina-Konflikts gegen die gewählten Vertreter der Bevölkerung in den besetzten Gebieten erreichen zu können.[…]Die Entscheidung über die Vertretung der palästinensischen Seite bei den Friedensverhandlungen will der Westen nicht den Palästinensern überlassen, sondern selbst treffen. Damit kein gerechter Frieden auf der Tagesordnung steht, sondern der für Israel vorteilhafteste.

    […] hat Israel ein weiteres Mal eine von der islamistischen Organisation vorgeschlagene Waffenruhe im Gazastreifen und auf der Westbank abgelehnt. Israel, das seine Existenz gegen das palästinensische Selbstbestimmungsrecht definiert, will keinen Frieden mit dem Widerstand, sondern seine völlige Auslöschung.

  2. 2 imf 02. Juni 2008 um 13:09 Uhr

    o.O?!

    Dieser Konsens – Eintreten für eine gerechte Friedenslösung, bei stärkerer Betonung der legitimen Anliegen der unterlegenen palästinensischen Seite – ist nun vom Fraktionsvorsitzenden aufgebrochen worden. Denn Solidarität mit Israel zu bekunden, bedeutet eindeutig Partei für jene Seite zu ergreifen, die sich der seit Jahrzehnten andauernden Unterdrückung des palästinensischen Volkes schuldig gemacht hat.

    Da krieg ich das Kotzen! Stärkere „Betonung der legitimen Anliegen der unterlegenen plästinensischen Seite“?! Wer hat dem ins Hirn geschissen?! Mir stellt sich sowieso des öfteren die Frage, ob die jW nicht schon eine links-NATIONALISTISCHE Zeitung ist. Der Antisemitismus (sein er auch nur strukturell) tropft ja schon seit längerem aus jeder Ausgabe… Ích seh es schon als Schlagzeile vor mir: „Die USraelischen Agressoren ins Meer treiben“.

    tze tze tze *kopfschüttel*

  3. 3 dadamarcuzs 02. Oktober 2008 um 18:59 Uhr

    Die Nazis haben mit den Arabern und Muslimen gegen die Juden in Palästina, eine britische Provinz, gekämpft. Scheinbar wird auch der Sozialismus ohne seines nationalistischen Vorzeichens aus dem Osten gegen Juden generell aufgewendet, um denjenigen Staat der Juden anzugreifen, der seit altersher durch Jahrhunderte von Antisemiten angezweifelt wurde.

    gez.
    Sakizopa Ist!

  4. 4 - revolution - 03. Oktober 2008 um 11:06 Uhr

    deinen kommentar versteh ich nicht wirklich. welcher jahrhunderte alte staat wird von antisemiten angezweifelt? von welchem sozialismus redest du?

  5. 5 michelle 02. Januar 2009 um 0:32 Uhr

    dass man die nah-ost-krise auch einmal von einer anderen seite beleuchtet, muss ja nicht gleich antisemitismus bedeuten.

    tatsache ist, dass es keine gute idee war, einem volk einen staat zu geben und ein anderes volk damit zu vertreiben.

    aber jetzt haben wir den salat und tatsache ist auch, dass es für die nah-ost-krise wohl so schnell keine lösung geben wird, mit welcher beide seiten in völligem frieden zusammen leben können.

    aber tatsache ist auch, beschlüsse, die zu einem friedlicheren nebeneinanderleben zwischen israelis und palästinensern führen könnten, werden von israel auch nicht eingehalten.
    in friedensverträgen wurden grenzen festgelegt, die von israel nicht akzeptiert werden.immer mehr werden die palästinensischen gebiete zusammengefercht. betrachtet man die landkarte der betreffenden gebiete, kann man über die jahre verfolgen, dass die palästinensischen gebiete immer kleiner geworden sind. dies hat zur folge, dass der gaza-streifen einer der am dichtesten besiedelten gebiete auf der welt geworden ist. zudem herrscht dort eine sehr große armut. die menschen sind im normalfall von hilfsorganisationen abhängig, da israel auch noch die versorgungszufuhr durch die importblockade verhindert.

    was sollen menschen in solch einer lage anderes denken, als israel zu verurteilen. ihnen kann es kaum noch schlechter gehen, sie wollen ihre situation ändern und sehen die einzige lösung darin, eine radikale partei zu wählen, welche das palästinensische gebiet vor weiterem gebietsverlust, weiterer einengung und armut radikal verteidigt. die menschen dort haben nichts zu verlieren.

    natürlich ist krieg keine lösung. und ich streite nicht ab,dass die hamas eine radikale organisation ist, mit der man nicht verhandeln kann. aber sie wurde von einem volk gewählt, dass sich aus not für sie entschieden hat.

  6. 6 - revolution - 02. Januar 2009 um 10:56 Uhr

    @michelle

    1. dieser ganze vertreibungsdiskurs, läuft ähnlich, wie in deutschen vertreibungs‘opfern‘-diskussionen: diese vertreibungen sind jahrzehnte her und damals nicht alleine ne böse idee der israelis gewesen, sondern eine konsequenz aus einem krieg, in dem es um das überleben israels ging. die damals vertriebenen sind in andere länder geflüchtet und anstatt dort einfach ein neues leben zu beginnen, haben ihre arabischen bruderstaaten sie einfach in flüchtlingslagern sitzen lassen und ihnen keine integration ermöglicht. das ist der eigentliche skandal. dass heutzutage quasi die vertriebenen ihre nachkommen (zusammen mehrere millionen) meinen, sie hätten ein recht nach palästina zurückzukehren, ist total absurd. dieses völkische recht auf heimat kann ich nicht nachvollziehen.

    2. kann ich den gedanken doch andersherum genauso aufziehen: israel ist gegründet als konsequenz aus der shoah, musste sich seitdem in einer tour verteidigen gegen angriffe und die bevölkerung wird deswegen, wenn sie denn durch bedrohung verängstigt ist, ein paar hardliner ranlassen, die mit militärischer gewalt einen gewissen schutz durchsetzen.

    3. ist es auch im eigenen interesse der palästinenser diese islamistischen tugendwächter von der hamas loszuwerden. das ist wohl auch mit ein grund warum jetzt fatah, ägypten und saudi arabien öffentlich der hamas eine (mit)schuld an der eskalation anlasten und iran und syrien hingegen diese unterstützen.

  7. 7 bigmouth 02. Januar 2009 um 11:24 Uhr

    dieses völkische recht auf heimat kann ich nicht nachvollziehen.

    diese vorstellung, dass auf besitzlose bauern in jordanien etc. voll die guten chancen gewartet hätten, wären sie doch nru aus ihren flüchtlingslagern rausgekommen, halte ich für eien absurdität sondergleichen. diese menschen hatten land und ein auskommen, und das haben sie durch den krieg und die ethnischen säuberungen verloren. und die haben nicht hitler gewählt oder so, sondern uU einfach nur den fehler begangen, dort zu wohnen, wo größere teile der zionisten ein „recht auf heimat“ für _ihr_ volk ausmachten

  8. 8 - revolution - 02. Januar 2009 um 12:31 Uhr

    wer hat denn behauptet, dass sie „voll die guten chancen“ erwartet hätten? allerdings dürften die wenigsten etwas dagegen haben, wenn sie nicht ihr ganzes leben lang in einem flüchtlingslager eingesperrt sind, sondern bspw. sich frei in jordanien bewegen könnten. das jordanien und die anderen arabischen ‚bruderstaaten‘ die palästinenser als manövriermasse in flüchtlingslagern interniert halten, anstatt ihnen bspw. die staatsbürgerschaft der aufnahmeländer anzubieten, ist doch ein perverses politisches spiel der arabischen staaten.
    die palästinensischen flüchtlinge sind die opfer des arabischen versuches israel auszulöschen. nicht mehr und nicht weniger.
    wenn für dich israel nicht mehr als ein zionistisches projekt ist, dann haben wir da allerdings eine grundlegende meinungsverschiedenheit.

  9. 9 Antidemokratische Aktion 02. Januar 2009 um 15:42 Uhr

    Da leistest Du Dir doch mal nen fetten Widerspruch. Einerseits attackierst Du die arabischen Staaten dafür, dass sie die Palästinenser nicht als ihre Staatsbürger anerkennen, sondern die als Manövriermasse gegen Israel staatenlos halten. Andererseits lobst Du die arabischen Staaten, dass sie die eigentlichen Interessen der (mehrheitlich Hamas wählenden) Palästinenser durchsetzen würden, wenn sie die Hamas kritisieren, also mal was machen, was einem Israelfan wie Dir gerade in den Kram passt. Na was denn nun? Sind das zynische Palivernutzer oder deren vormundschaftlichen gutwilligen Betreuer? Der Witz ist halt, dass Dir so eine objektive Bestimmung völlig egal ist, solange nur eine Rechtfertigung Israels und seines Vorgehens aus einem Fakt gezogen werden kann.

    btw.: Dass man ne grundlegende Meinungsverschiedenheit hat, ist doch vernünftiger Weise der Auftakt zu deren Klärung, statt zum Abbruch jeder weiteren Diskussion. Und warum soll Israel bitte kein Produkt seines erfolgreichen Staatsgründungsnationalismus‘ sein? Ach ja, weil das die moralische Rechtfertigung von seiner höheren Notwendigkeit wegen Shoa und so nicht genügend belobhudelt :/ .

  10. 10 Antidemokratische Aktion 02. Januar 2009 um 16:03 Uhr

    Noch was … ausgerechnet Saudi-Arabien soll sich an islamischen Tugendwächtern stören und nicht etwa eine berechnende Politik zwischen Gegnerschaft zu Israel als Regionalmacht(skonkurrent) Nr. 1 und Wahrung der guten Beziehungen zu den USA als der Weltmacht Nr. 1 betreiben? DAS ist doch deren Konflikt mit den Islamisten als Fleisch von deren Fleisch. Darin, dass in der Durchsetzung einer Islamauslegung das Erfolgsmittel für den Staat (passende Moral im Staatsvolk und Allah auf der eigenen Seite) liegen soll, sind die sich doch einig. Den Bin Ladens fällt aber auf, dass die dortige Herrscherclique das zwar nicht nach Innen, wohl aber nach Außen, besonders im taktierenden Umgang mit den USA und Israel, relativiert. Das passt denen nicht, weil sie darin einen *Missbrauch* der Religion durch Heuchler sehen – das mit der religiösen Nationalmoral agitierte und eingeschüchterte Staatsvolk soll dann schon auch für den Kampf ums Kalifat v.a. gegen die USA und Israel in Anschlag gebracht werden. Und nur dann hätte man auch wirklich Allah auf seiner Seite und man wäre nicht mehr ohnmächtig gegen die USA und Israel.

  11. 11 - revolution - 02. Januar 2009 um 19:35 Uhr

    @antidemokratische aktion

    zum thema andere arabischen staaten: ich sage doch gar nicht, dass sie die hamas loswerden wollen, weil das islamistische tugendwächter wären. du hast natürlich recht, wenn du das als inner-islamistischen/arabischen machtkampf bezeichnest, in dem saudiarabien oder auch die fatah die jeweils andere fraktion ausbooten wollen. dass in diesen taktischen spielen und auch in der auseinandersetzung mit israel jede menge menschen vernutzt werden, dürfte allen beteiligten recht egal bzw. einkalkuliert sein.
    doch faktisch wackelt der rückhalt der hamas erstmal, was an sich ja nicht so schlecht wäre, ist das doch eine besonders widerwärtige version dieser religiösen ideologien/-organisationen. selbst wenn absehbar ist, dass nicht mehr als irgendne ‚regierung der nationalen einheit‘ rauskommt, kann das vielleicht zumindest eine offene eskalation wieder beruhigen.das wäre für die menschen dort erstmal gut und ansonsten sieht’s halt dann wieder so trostlos aus wie immer.

    zu israel: tatsächlich bin ich nicht so der große israel-fan, allerdings ist mir ein bürgerlicher staat, der im gegensatz zu den restlichen nationalstaaten bis auf weiteres auch ein unbedingtes existenzrecht genießt, im gegensatz zu irgendwelchen reaktionär-islamistischen terror-rackets um einiges lieber. und ‚um einiges lieber‘ bedeutet keineswegs super toll, aber qualitativ besser als der direkte vergleich. wer diese ganzen aspekte ausblendet und israel gerade mal als zionistisches projekt betrachtet, der hätte mit mir einen grundlegenden dissens. das nehme ich aber erstmal nicht automatisch an, sondern warte auf bestätigung, deswegen ist die diskussion auch nicht abgebrochen, sondern offengelassen. allerdings muss ich gestehen, dass ich mich auch nicht gerade danach sehne irgendwelchen endlosen und mühsamen israel-diskussionen zu führen.

  12. 12 Antidemokratische Aktion 02. Januar 2009 um 22:00 Uhr

    Du schreibst:

    ist es auch im eigenen interesse der palästinenser diese islamistischen tugendwächter von der hamas loszuwerden. das ist wohl auch mit ein grund warum jetzt fatah, ägypten und saudi arabien öffentlich der hamas eine (mit)schuld an der eskalation anlasten und iran und syrien hingegen diese unterstützen.

    Und ansonsten: Dass ein Islamistenstaat anstelle Israels auch schädlich für die Leute wäre, ist eben kein Grund für Israel zu sein, sondern ein anderes Thema.

  13. 13 lahmacun 02. Januar 2009 um 22:11 Uhr

    @ada: nein, das ist dasselbe thema; dann nämlich, wenn man sich darum bemüht, klarzustellen, dass man auch keine anhängerin des paläst. nationalismus (und antisemitismus) ist. wenn man sich raushalten will aus dem parteinahme-krampf, der mit kommunismus nicht das geringste zu tun hat.

    die hamas ist ein klarer gegner jeder kommunistin!

  14. 14 lahmacun 02. Januar 2009 um 22:13 Uhr

    es ist kein grund, die andere extremhaltung zu teilen, aber ein anderes thema isses auch nicht.

  15. 15 - revolution - 03. Januar 2009 um 10:50 Uhr

    @antidemokratische aktion ‚auch ein grund‘… d.h. die nutzen die immanenten spannungen zwischen hamas und gaza-bevölkerung zu ihren eigenen gunsten.
    ansonsten ist es ein recht langweiliges argument, dass alle formen der derzeitigen vergesellschaftung schädigungen hervorrufen, denn mein anspruch, und das habe ich auch bereits deutlich gemacht, wäre schon die intensität der schädigungen zu unterscheiden.

  16. 16 michelle 03. Januar 2009 um 13:36 Uhr

    noch einmal zu -revolution-

    natürlich gab es immer schon kriege mit gebietsverlusten und flüchtlingen. und viele haben auch an einem anderen ort eine neue heimat gefunden. aber wenn grenzen verschoben werden ist das noch mal etwas anderes, als einem ganzen land zu sagen, sucht euch mal eine neue heimat.
    und dass flüchtlinge in anderen ländern nicht gerade willkommen sind, ist nicht nur in jordanien so: z.B. die jährlich tausend afrikanischen flüchtlinge werden höchstens in auffangzentren untergebracht, werden illegale oder einfach wieder zurück geschickt, verhungern auf ihren booten, ertrinken, und das, weil sie in italien und den umliegenden ländern nicht aufgenommen werden können.

    israel hat das recht auf einen staat.
    und sage mir, warum die palästinenser nicht?
    sie sind ein volk mit dem namen `palästinenser`, aber wo ist ihr palästinensicher staat?
    sie sollen israel akzeptieren und niemand akzeptiert sie?

    warum setzt sich israel nicht für eine zwei-staaten-lösung ein?
    vielleicht weil sie selbst das ganze land für sich beanspruchen wollen?

  17. 17 lahmacun 03. Januar 2009 um 14:02 Uhr

    das recht auf einen staat – was soll das denn sein? was seid ihr eigentlich alles für nationalistische freaks?!

    die jährlich tausend afrikanischen flüchtlinge werden höchstens in auffangzentren untergebracht, werden illegale oder einfach wieder zurück geschickt, verhungern auf ihren booten, ertrinken, und das, weil sie in italien und den umliegenden ländern nicht aufgenommen werden können.

    eben. voll praktisch, wenn die nen eigenen staat haben – wo man sie hin abschieben kann. zurück in ‚ihren‘ staat, muhaha.

  18. 18 michelle 03. Januar 2009 um 14:27 Uhr

    was willst du damit sagen?

    dass mit den flüchtlingen aus afrika habe ich nur erwähnt, um aufzuzeigen, dass flüchtlinge in anderen ländern nicht gerade beliebt sind.
    das hat nichts und überhauptnichts damit zu tun, ob die flüchtlinge einen eigenen staat haben, in den man sie zurückschicken kann oder nicht.

    glaube,du hast mich nicht richtig verstanden.

  19. 19 lahmacun 03. Januar 2009 um 14:33 Uhr

    doch, ich hab dich schon verstanden.

    sie sind ein volk mit dem namen `palästinenser`, aber wo ist ihr palästinensicher staat?

    jedem „völkchen“ nen eigenen staat. bis zum kommunismus!

  20. 20 michelle 03. Januar 2009 um 14:37 Uhr

    ein land und sein eigener staat bieten sicherheit.
    die grenzen sind fest und können nicht nach belieben verschoben werdern. das land hat die kontrolle über sich selbst und keine anderen länder haben einen einfluss. hat eine gesellschaft diese sicherheit, kann das land sich entwickeln.

  21. 21 michelle 03. Januar 2009 um 14:41 Uhr

    was ist daran schlecht?

  22. 22 Antidemokratische Aktion 03. Januar 2009 um 17:53 Uhr

    @ revolution: Und ich habe Dir schon gesagt, dass es verkehrt ist, für die eine Schädigung Partei zu ergreifen, weil sie nicht die andere ist. Als würde das an der Schädigung was ändern.

  23. 23 Frage 04. Januar 2009 um 2:37 Uhr

    Was ist eigentlich mit den Drusen?

    Drusen in Israel verhalten sich als israelische Staatsbürger gegenüber der israelischen Regierung loyal und leisten in der israelischen Armee ihren Militärdienst. Tatsächlich wurden die Drusen 1957 in Israel als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt. Sie sehen sich als Araber, jedoch (in Israel) nicht als Muslime. Allerdings steigt langsam der Druck von palästinensischer Seite, mit den palästinensischen Muslimen konform zu gehen. Hierzu zählen nicht die Drusen des im Sechstagekrieg 1967 besetzten syrischen Golan. Sie leben in einigen wenigen Dörfern des Nordgolans unterhalb des Hermons, haben aber ihr Land anlässlich der israelischen Eroberung 1967 im Gegensatz zu den Sunniten der Stadt Qunaitra oder der weiter südlich gelegenen, mittlerweile nicht mehr existierenden Dörfer nicht verlassen.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Drusen

  24. 24 - revolution - 04. Januar 2009 um 11:27 Uhr

    @antidemokratische aktion
    so zu tun, als ob jede schädigung das selbe wäre, halte ich für total falsch. es ist eben ein qualitativer unterschied, ob ich nem islamistischen gottesstaat oder nem bürgerlichen staat lebe. völlig unabhängig davon, dass beide schädigen (wo nur der kommunismus abhilfe schaffen könnte, der aber aktuell nicht um die ecke biegt), schädigen sie in unterschiedlicher intensität. es ist halt für nen schwulen ein unterschied ob er durch eine legitimierte homosexuelle partnerschaft als bürgerliches rechtssubjekt geschädigt wird oder von der hamas auf offener straße zu tode gesteinigt wird. wer da keinen unterschied mehr macht, wenn’s für die leute um leben und tod geht, der ist ignorant gegenüber den bedürfnissen derer, die er vorgibt zu befreien.

  25. 25 Antidemokratische Aktion 08. Januar 2009 um 20:19 Uhr

    so zu tun, als ob jede schädigung das selbe wäre, halte ich für total falsch. es ist eben ein qualitativer unterschied, ob ich ner kapitalistischen Demokratie oder unter der Betreuung einer Sozialorganisation lebe. völlig unabhängig davon, dass beide schädigen (wo nur der kommunismus abhilfe schaffen könnte, der aber aktuell nicht um die ecke biegt), schädigen sie in unterschiedlicher intensität. es ist halt für nen armen ein unterschied ob er durch seine kapitalistische (Nicht-)Vernutzung geschädigt wird oder von der hamas im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Versorgung bekommt. wer da keinen unterschied mehr macht, wenn’s für die leute um leben und tod geht, der ist ignorant gegenüber den bedürfnissen derer, die er vorgibt zu befreien.

    An Hamas-Rechtfertigung interessierter Unsinn? Eben.

  26. 26 Anonymous 24. März 2011 um 12:35 Uhr

    preussen = palästina ??? eben nicht, denn deutsche vertriebene waren in der mehrzahl pro nsdap und am holocaust beteiligt, während palästina hier die schwächere seite darstellt, die die aggression schuldlos trifft. eure holocaust projektionen triefen aus jeder zeile, sonst nichts. bitte in die cdu eintreten, die vertritt dieselben positionen

  1. 1 Ganz kurz aufgeregt wegen Pirker, dann bleibengelassen « fRemade Pingback am 24. September 2009 um 9:37 Uhr
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