Archiv für August 2008

Da steppt der Bär…

so erstmal Urlaub und deswegen einige Tipps für Menschen mit zuviel Freizeit:

Camp in Hamburg läuft ja schon, deswegen weitere Events im Überblick.

Erstmal ist in Köln großer Anti-Islam-Kongress verschiedener rechtspopulistischer Gruppen (Pro Köln, FPÖ, Vlaams Belang, Front National usw. usf.) gegen den bundesweit mobilisiert wird + einen Gegenkongress. Aufruftechnisch hat ‚Ums Ganze‘ mal wieder vorgelegt und einen wirklich lesenswerten Aufruf inklusive Rundumschlag gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse abgeliefert.

Da ich nach Köln wohl nicht kommen kann, noch etwas weiter voraus geplant: Tag der deutschen Einheit! Zentrale Feierlichkeiten sind wohl in Hamburg, weshalb dort eine bundesweite Demo + Kongress abgehalten werden soll. Genaueres steht wohl noch nicht, denn der Mobi-Blog gähnt einen ziemlich leer an, aber das wird sicher noch. Konkurrenz gibt’s auch schon, denn ARAB kündigt für Berlin eine bundesweite, anti-nationale Nachttanzdemo an… auch wenn anti-national jetzt ein Prädikat ist, dass ich nicht unbedingt der ARAB zugerechnet hätte, klingt der Aufruf ganz ok und Nachttanzdemo sowieso spaßig!

Das Prinzip Kosovo

Nachdem der Westen in einem langjährigen Krieg Yugoslawien zerschlagen und mit der Unabhängigkeit des Kosovo noch die letzten Reste zerstückelt hat, ist insbesondere der Präzedenzfall Kosovo nun Anlass für geopolitische Verschiebungen im Kaukasus. Mit den mehrheitlich russisch bewohnten (diese Situation wurde durch die Ausgabe russischer Pässe auch gezielt herbeigeführt), abtrünnigen Provinzen Süd-Ossetien und Abchasien hat nämlich Georgien jetzt genau den selben Fall, nur dass diesesmal das Land selbst gen Westen strebt, während die abtrünnigen Provinzen sich an Russland annähern. Georgien, das trotz der Ablehnung seines sofortigen Beitritts in die NATO vom Westen protegiert und aufgerüstet wurde, versucht nun militärisch die abtrünnigen Provinzen wieder in das staatliche Gefüge einzupassen. Dass Russland, das schon ohnmächtig die Zerschlagung Yugoslawiens mitanschauen musste, diesen Verlust seiner Einflusssphäre direkt vor seiner Haustüre hinnehmen würde, war nicht anzunehmen. Umso erstaunlicher dass Georgien zum jetzigen Zeitpunkt damit einen offenen Krieg mit Russland riskiert. Offensichtlich gab es Hoffnungen, der Westen würde auf Seiten Georgiens eingreifen, was sich bisher aber nicht abzeichnet.
Der Konflikt um Südossetien ist der offenste und aktuellste, aber im Endeffekt gibt es derzeit verschiedene Konfliktherde, die immer nach einem ähnlichen Schemata funktionieren. Grundlegend geht es um geopolitische Einflusssphären, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nun neu aufgeteilt werden. Mit der Zerschlagung Yugoslawiens hat der Westen und insbesondere Deutsch-Europa seinen Einfluss auf dem Balkan massiv ausbauen können, während Russland deutlich verloren hatte. Mit dem US-Raketenschild in Polen und Tschechien, ständigen Erweiterungen oder geplanten Erweiterungen der NATO in Richtung Russland und verschiedenen ‚orangen Revolutionen‘ in ehemaligen russichen Einflusszonen ist der Westen schon deutlich vorgerückt, während Russland erst wieder seinen Weg zur Weltmacht-Position gefunden hat. Mit Südossetien macht Russland jetzt das erste mal blutig klar, dass eine weitere Erosion seiner Einflusssphären nicht mehr hingenommen wird. Ob, wie Georgien behauptet, tatsächlich ein Krieg gegen Georgien oder nur ein Kampf um die abtrünnige Provinz stattfindet, wird sich noch zeigen.
Eigentlich hätte ich eher eine Eskakalation im ähnlich gelagerten Tibet-Konflikt erwartet, da China als Olympia-Gastgeberland dort medial verletzbar gewesen wäre. Die weltweiten Proteste vor chinesischen Botschaften hatten sowas auch vermuten lassen. Auch in Tibet versucht der Westen durch eine geschickte Unterstützung des DalaiLamas und seiner Seperatisten-Clique China als Weltmacht zu schwächen, auch um die Gefahr (para-)militärischer Eskalation.
Für mich stellt sich die Situation derzeit so dar, dass mit dem Präzendenzfall Kosovo ein weltweiter Wettlauf begonnen hat, in dem meist der Westen versucht anhand abtrünniger Provinzen Weltmacht-Konkurrenten zu destabilisieren, die dementsprechend reagieren. Mit Russlands Südossetien-Politik dreht sich der Spieß erstmals um und es bleibt abzuwarten ob der Westen zuschaut oder eingreift. Auf alle Fälle bieten diese Konflikte viel Zündstoff für eine weitreichende Eskalation, bleibt nur zu hoffen, dass sich dies nicht zu einem Flächenbarnd ausweitet.




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