Der Putsch…

In Fortsetzung meines Artikels zur Neukonstitution der Sozialdemokratie eine Aktualisierung im Hinblick auf den „Putsch“ in der SPD-Führung.
Worüber schon Monate spekuliert wurde, ist nun endlich und erstaunlich schnell & leise eingetreten: die SPD entledigt sich ihres derzeit größten Problems, der Unfähigkeit ihres Vorsitzenden Kurt Beck. Dieser hat es über Monate nicht fertig gebracht, die verschiedenen Strömungen, Flügel und persönlichen Animositäten in den Griff zu bekommen und sich damit disqualifiziert einen solchen Apparat zu führen. Denn wenn die SPD vor etwas Angst hat, dann ihre Pöstchen zu verlieren. Wozu bräuchte man die SPD, wenn man nicht davon leben will?
Das neue Führungsduo (Steinmeier[Kanzlerkandidat], Müntefering[Parteivorsitzender]) erinnert fast an das bayerische Spitzenduo Beckstein/Huber, doch im Gegensatz zu diesen, sind sie nicht neu in der Führung, sondern eigentlich schon immer da bzw. nur kurz weggewesen. Müntefering, der schonmal Parteivorsitzender war und sich 2005 von Andrea Nahles stürzen ließ, pflegte medial viel beachtet seine krebskranke Frau, um nun nach deren Tod sofort wieder die Führung in der SPD zu übernehmen. Den Sturz damals durch Andrea Nahles, unterstütz von dem derzeitigen SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, hat er natürlich nicht vergessen und deswegen diesem schon mal einen Dämpfer verpasst, indem er ihm seine Kompetenz in der Wahlkampfplanung ordentlich zusammengestutzt hat, indem er ihm den Schröder-Wahlkämpfer und eigenen Intimus Kajo Wasserhövel vor die Schnauze gesetzt hat. Steinmeier hingegen war schon als Kanzleramtschef quasi an der Macht und hat sich in seiner stillen Streberart jetzt auf den Kanzlerkandidaten-Sessel bugsiert.
Die Schröderianer Müntefering und Steinmeier kriegen als Vertreter des rechten Parteiflügels fertig, was dem Zwischen-allen-Stühlen-Sitzer Kurt Beck nie gelang: Sie verpassen den Flügeln einen Maulkorb und setzen eine Linie, der sich selbst professionelle Quertreiber wie Andrea Nahles unterordnen. Warum kapituliert die Parteilinke vor dem Comeback der Schröderianer, wo es doch in letzter Zeit anzeichen für eine erstarkende ‚linke‘ Parteiströmung gab? Wie schon oben angedeutet… die reine Existenangst, denn ohne Pöstchen ist auch für die Parteilinke die SPD nichts wert. Und so wird für die Wahl 2009 eine Putschführung der Parteirechten akzeptiert, die 1. sicherlich das eine oder andere inhaltliche Zugeständnis machen wird, um den Burgfrieden zu erhalten, und die 2. bei einer Wahlniederlage sofort zerfleischt würde bzw. selbst bei einem relativen Sieg mit äußerst kritischer Beobachtung durch die Parteilinke rechnen darf. Denn eines steht fest, die Fliehkräfte in der SPD sind äußerst stark und drohen die Partei zu zerreißen. Aktuell scheint es deswegen fast auf eine ‚Vernunftsehe‘ wie die große Koalition nur innerhalb der SPD hinauszulaufen… doch mit der Linkspartei erwächst rasch eine neuer Koalitionspartner, den die Parteilinke interessanter finden könnte, wie die Streitereien um die Regierungsbildung in Hessen eindrucksvoll zeigen.
In diesem Sinne: Der König ist tot, es leber der König! Auf eine neue Runde in der Soap-Opera SPD.


2 Antworten auf „Der Putsch…“


  1. 1 lea 23. September 2008 um 9:42 Uhr

    Folge 157: Das Vernunftsehepaar AgendaKarl und QuerulantenOttmar streiten sich über die SPD-Arbeitsmarktpolitik: http://www.fr-online.de/top_news/?em_cnt=1599593&em_cnt_page=1
    Köstlich zu lesen,
    Burgfrieden hört sich aber anders an.

  2. 2 - revolution - 23. September 2008 um 13:40 Uhr

    argh, warum auch immer, meldet mich der scheiß hier nicht korrekt an…

    Ottmar Schreiner muss sich ja tatsächlich schon für sein Ministeramt unter Oskal Lafontaine profilieren (hier) und hat ja auch erst sein neues Buch ‚Die Gerechtigkeitslücke‘ rausgebracht. Von daher scheint der aus Eigeninteresse den Burgfrieden zu stören… sollte es die SPD tatsächlich nicht gebacken bekommen, bis zu Wahl halbwegs professionell aufzutreten, na dann kann sie sich bald dem FDP-Projekt 18 x anschließen :-)

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