Bildungsprotest in Bayern

In Bayern wird selten demonstriert und wenn, dann sind es meistens die üblichen Verdächtigen. Denn Protest wird normalerweise nicht auf der Straße, sondern am Stammtisch artikuliert. Doch in den letzten Wochen gab es einige Demos und Aktionen, die sich insbesondere dadurch ausgezeichnet haben, mal breitere Kreise auf die Straße gebracht zu haben.
Am 30.10. haben die StudentInnenvertretungen der LMU, der TU und der FH eine Demonstration gegen Studiengebühren unter dem verbalradikalen Motto ‚Kick it like Hessen‘ veranstaltet. Nach verschiedenen Berichten beteiligten sich fast 3.500 Studis, was für Münchner-Verhältnisse ganz ordentlich ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Demo gerade mal 2-3 Tage lang beworben wurde. D.h. man könnte eigentlich von einem Potenzial ausgehen, das auch entsprechenden Druck auf der Straße aufbauen könnte… aber das ist offensichtlich nicht das Ziel. Ich selber war leider nicht anwesend (Lohnarbeit), aber die Berichte bei Bikepunk089, Indymedia und Luzi-M (I + II mit Presseschau etc.) sprechen eine deutliche Sprache. Neben den HilfspolizeiordnerInnen, den fehlenden Inhalten und der zahmen Aktionen ist insbesondere die Perspektivlosigkeit der Proteste beklagt worden, solange es nicht um grundsätzliche Veränderungen, sondern nur um die richtige Verteilung der Studiengebühren geht.
Die Studis können in dieser Beziehung von den SchülerInnen noch einiges lernen. Diese haben mit einem bundesweiten Bündnis einen bundesweiten SchülerInnenstreik organisiert und dabei nach eigenen Angaben bis zu 125.000 Leute auf die Straße gebracht (wohlgemerkt während der Unterrichtszeit!). Auch in Bayern waren mit München (mehr als 2.000) und Nürnberg (ca. 3.000) ordentlich viele Leute unterwegs. Ich persönlich war in München mit dabei und fand die Demo eine der besten in den letzten Jahren. Die Stimmung war durchweg gut. Viele Parolen, Transpis usw. haben die Inhalte gut nach außen vermittelt. Auch die Route, vorbei an etlichen Schulen, war gut gewählt. Insbesondere der Versuch eine Schule zu stürmen, um den eingesperrten SchülerInnen eine Teilnahme an der Demo zu ermöglichen, war recht schwungvoll. Als Fazit kann man festhalten, dass insbesondere das Konzept der gezielten + niedrigschwelligen Regelüberschreitungen (Unterricht fern bleiben, Schule stürmen, mit Kreide die Stadt verschönern etc.) für Stimmung gesorgt und sicher für weitere Proteste motiviert hat. Zur erwähnen wäre noch, dass 2 Nazis von den ‚Freien Nationalisten München‘ versucht haben an der Demo teilzunehmen und ihren Dreck zu verteilen. Dies konnte durch AntifaschistInnen unterbunden werden. Grotesk war allerdings die Reaktion der Bullen, die gegen den ausdrücklichen Ausschluss der Nazis durch den Versammlungsleiter versuchte deren Teilnahme durchzusetzen, was schlussendlich aber nach meiner Beobachtung misslang.
Die Müncher Linke hat es bisher leider noch nicht geschafft eigene Inhalte und Aktionen zu setzen, um so in die Bildungsproteste zu intervenieren, sondern hat sich auf Teilnahme und Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch am 15.11. bechränkt. Insbesondere bei den Studis wäre dies aber dringend nötig, sonst ist absehbar, dass sich die Proteste in Kürze tot laufen.


5 Antworten auf „Bildungsprotest in Bayern“


  1. 1 Antifa MUC 13. November 2008 um 19:33 Uhr

    Wir waren, mit Fahnen, Tranpsis und nem Mega, durchaus auf der Demo präsent, und haben versucht mit Parolen etc. eigene Inhalte einzubringen. Das hat dann halt gut geklappt, wenn die Schüler_innen die Sprüche gut fanden, und schlecht geklappt wenn nicht. Wie es halt immer so ist. Was praktische Aktionen angeht, haben die Schülis wieder ziemlich sinnvolle Sachen auch ohne „Anstiftung“ durch uns gemacht, der Versuch eine Schule zu stürmen war ganz inspirierend. Persönlich wäre ich mir dabei mit meinen ca. 30 Lenzen auch etwas albern vorgekommen.
    Für eine richtige Mitarbeit im Schulaction Bündnis haben von linksradikaler Seite mal wieder die Kapazität gefehtl, weshalb das Feld der SDAJ überlassen war. Ein paar mehr Gruppen müssten wir halt sein. Deinem Fazit, dass linke Intervention vor allem bei den Studis von Nöten wäre, würde ich dabei aber zustimmen.
    Insgesamt ein guter Bericht … ich hab mich schon gefragt wann Bikey was dazu schreibt.

  2. 2 - revolution - 14. November 2008 um 11:06 Uhr

    ich hab euch schon gesehen :-) .
    aber was bspw. sicher sinnvoll wäre: ein massenflugblatt was ganz allgemein bildung und kapitalismus verbindet, was dann sowohl bei studi- als auch bei schüler-demos verteilt werden könnte.
    insbesondere auch langfristig wäre eine intervention sinnvoll, denn wo kann man besser kapazitäten aufbauen, als bei der politisierung von jugendlichen (das macht die sdaj ja auch recht erfolgreich vor, egal wie man zu deren inhalten steht).

  3. 3 P. 19. November 2008 um 12:29 Uhr

    was hast du denn?!
    im vergleich zu den gerade mal 163 studis, die vor einem jahr beim gebührenboykott mitgemacht haben, ist das doch schon mal ein zahlenmäßiger erfolg. :P

  4. 4 - revolution - 19. November 2008 um 13:47 Uhr

    ich habe doch speziell hervorgehoben, dass sich dieser protest dadurch ausgezeichnet hat, dass eben breitere spektren auf die straße geholt wurden… große zahlen alleine sind aber kein erfolg, weil es ja schon entscheidend darum geht, wofür die auf die straße gehen… und da fehlt’s meiner meinung nach.

  1. 1 Was so los war & und was es darüber zu lesen gibt. « bikepunk 089 Pingback am 14. November 2008 um 13:09 Uhr
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