Krieg im Nahen Osten – Kurzkommentar

Seit Tagen tobt eine recht blutige Militäroffensive Israels durch Gaza. Neben der berechtigten Sorge um das Leid der Zivilbevölkerung ist der Konflikt politisch so aufgeladen, dass es mit einem einfachen Ruf nach Frieden nicht getan ist. Ganz im Gegenteil lauern überall ganz falsch Freunde, mit denen man rein gar nichts zu tun haben möchte. Da gibt es die bellizistische Anti-D Fraktion, die jede Bombe für ne antifaschistische Tat hält, und da gibt es die JungeWelt, die mich hier ja schon öfter beschäftigt hat (Diskussion zum aktuellen Konflikt gabs auch in der Kommentarspalte eines älteren Beitrags von mir).
Aktuell hat mal wieder Werner Pirker seine ‚Meinung‘ zum Besten gegeben. Schon der Titel ist gruselig: „Selbstverteidigung. Zivilisten als Zielobjekt“, denn mit Zivilisten als Zielobjekt meint er nicht etwa die Hamas, die mit ihren Raketen NUR auf Zivilisten schießt, sondern Israel. Ansonsten bringt er es fertig, in dem ganzen Text nicht ein einziges Mal zu erwähnen, dass es auch israelische Opfer von Hamas-Raketenangriffen gibt. Stattdessen zeichnet er ein Bild von einer blutberauschten Armee, die sich gerade noch zurückhält, um nicht kleine Kinder zum Frühstück zu essen. Ansonsten schwelgt der Autor wie üblich in Bewunderung über die „räumliche und auch organische Verbindung zwischen Widerstandsbewegung und Bevölkerung“, die sich gegen Israel nur mit „verzweifelten palästinensischen Widerstandsaktionen“ wehrt. Was Hamas-Sympathistanten wie Pirker in der Linken verloren haben….
Dabei hat Redok erst über durchaus fruchtbare Verbrüderungsaktivitäten von Nazis und Islamisten berichtet, vielleicht käme Pirker das gelegen.
Ein interessanter Beitrag, da nicht auf typisch deutsche Grabenkämpfe aus, findet sich bei Cosmoproletarian Solidarity mit dem charmanten Titel ‚Querfront sucks! Gegen Krieg und Islamismus!‘, in dem insbesondere die Tendenz sich mit reaktionären Bewegungen zu solidarisieren, nur weil diese in einem Konflikt die unterlegene Partei sind, kritisiert wird.


3 Antworten auf „Krieg im Nahen Osten – Kurzkommentar“


  1. 1 lea 14. Januar 2009 um 17:52 Uhr

    Man ist von der deutschen Linken zu dieser Thematik mittlerweile ja einiges gewohnt. Ich bin dieser Tage trotzdem immer wieder überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit in diversen friedensbewegten Erklärungen die Hamas entweder komplett ausgespart, oder gar als Widerstandsgruppe dargestellt wird, mit der man sich zu solidarisieren habe. Auch die VVN will die Hamas als gleichberechtigte Verhandlungspartei einbinden, um dem palästinensichen Volk endlich seinen Boden zu verschaffen und zitiert ohne Probleme den Antisemiten Norman Paech:http://www.jungewelt.de/2009/01-12/059.php.

    Auf einem sich als links verstehenden Bündnisplenum outet sich eine Person als Hamas-Unterstützer und fliegt dann nicht einmal raus, sondern sitzt stattdessen in der Demoleitung. Auf selbigen Bündnistreffen wird Gaza mit dem Warschauer Ghetto verglichen, vom israelischen Masterplan schwadroniert und nach einem Verweis auf die RednerInnenliste getobt, dass die Zionisten ja immer reden dürften. Ich bin mittlerweile mal wieder desillusioniert, was breitere linke Zusammenarbeit angeht. So sehr ich mich gegen sinnfreie Grabenkämpfe wende und für punktuelle Vernetzung wo es nur geht bin, eine klare Grenzziehung zu antisemitischen Positionierungen ist nötig. Die aber sind in der deutschen Linken mal wieder en vogue. Und wenn der Preis dieser Grenzziehung eine weiter fortschreitende Marginalisierung ist, dann muss er leider gezahlt werden. In der deutschen Linken (nicht nur in der jungen Welt) sind einfach zu viele Spinner unterwegs, die kein Problem haben, sich mit Hamas- und Hisbollah-SympathisantInnen in eine Demo zu stellen, während europaweit die antisemitische Gewalt zunimmt.

  2. 2 devnull 14. Januar 2009 um 21:24 Uhr

    Na und wo ist denn da jetzt deine Widerlegung des Urteils von Pirker, dass da Zivilisten zum Zielobjekt werden? Meinst du, dass die IDF da unten die ganze Zeit auf Hamaskämpfer schießt? Dass bei den Angriffen Zivilisten übers Messer springen, weiß die israelische Regierung und ihr Militär doch vorher und nimmt es offenbar billigend in Kauf.

  3. 3 - revolution - 15. Januar 2009 um 8:26 Uhr

    1. Sind nicht Zivilisten die Ziele, sondern Militante, die sich zwischen Zivilisten verstecken, weshalb es auch zivile Opfer gibt
    2. Wenn eine Konfliktpartei Zivilisten zu Zielen macht, dann die Hamas, das wird aber wohlweislich verschwiegen
    3. Habe ich nirgendwo bestritten, dass es zivile Opfer der israelischen Militärschläge gibt… wo ist also dein Ansatz?

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