Archiv für April 2009

Straßen aus Zucker

Die Umsganze Broschüre zum Staat ist noch nicht fertig, aber in Berlin hat TOP Berlin zusammen mit der AJAK und der antifaschistischen SchülerInnenvernetzung eine Jugendzeitung herausgebracht, die sich anlässlich des runden Geburtstages, des freiesten aller deutschen Staaten, mit der Nation beschäftigt.
Die Zeitung gibt’s hier zum Downloaden: hier

Ansonsten kann man sich schon mal den 23.05. vormerken. Da wird das Umsganze Bündnis eine Demo für ‚Etwas besseres als die Nation‘ veranstalten. Aufruf etc. gibt’s leider noch nicht dazu.

Hexenjagd

Schon wieder ein Fortsetzungsbeitrag. Die Bandbreite, eine ‚linke‘ HipHop-Band die sich vor allem mit kruden Verschwörungstheorien in den Vordergrund gedrängt hat, hat ihr neues Album veröffentlich: Hexenjagd.
Der Titel drückt die tiefsitzende Paranoia der beiden ‚Künstler‘ aus, denn diese fühlen sich tatsächlich verfolgt und suggerieren in ihrem Trailer den kurz bevorstehenden Flammentod:

Damit nicht genug. Wer so tapfer für die Wahrheit ficht, lässt sich natürlich nicht von irgendwelchen fiesen Kritikern daran hindern und deswegen klärt die Bandbreite weiter auf. Vom Reichstagsbrand bis zu den Terroranschlägen in Madrid erkennt sie immer die selbe Taktik. Die bösen Herrschenden belügen das Volk und schaffen sich durch Attacken unter falsche Flagge selber die Gründe für ihren repressiven Herrschaftsapparat. Denn immerhin haben die Selbstmordattentäter von London Rückfahrtickets gekauft. Riecht das nicht nach einer ganz großen Verschwörung?

Jürgen, lass gut sein.

Jürgen Elsässer, über den ich schon mal was geschrieben habe, ist ja durch seine Querfront-Volksinitiative gegen usraelische Heuschrecken oder so bekannt. Nachdem er aus einigen ‚linken‘ Zeitungen wie der Jungen Welt oder dem Neuen Deutschland geflogen ist und inzwischen bei jeder seiner Veranstaltungen mit Ärger rechnen muss, verlegt er sich nun darauf seinen Nationalismus freien Lauf zu lassen. Seine eigene erbärmliche Existenz nimmt er dabei zum Ausgangspunkt, um den Organisatoren der Proteste am 28.3. oder gegen den NATO-Gipfel in Straßburg zu erklären, warum ihre Mobilisierung nicht funktioniert hat. Und er kommt da zu recht ‚interessanten‘ Ergebnissen:

Das liegt auch an den noch schlechteren Slogans. “Make Nato history!”, “No to Nato”, “Make capitalism history!”, “Communism reloaded!” Wieviel Denglish darfs denn sein, meine Damen und Herren Autonomen? Und wenn wollt Ihr damit ansprechen? Arbeiter? Hartz-IV-Empfänger? Einwanderer aus der Türkei und anderen islamischen Ländern? Die werden sich bedanken, wenn Ihr sie in der Sprache des Imperiums, das ein moslemisches Land nach dem anderen überfällt, ansprecht. Sänk you for trävelling wis deutsche Antifa – sooo läuft das nicht!

Fast könnte man meinen, Elsässer wäre heimlich dem Verein zur Bewahrung der deutschen Sprache beigetreten. Englisch ist nun also die Sprache des Imperiums, die für einen Linken tabu sein müsste, um nicht den Anschluss an ‚das Volk‘ zu verlieren. Sein besonderes Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt muslimischer MigrantInnen zeigt schon in welche Richtung da die Bündnisse laufen sollen. Denn eines ist doch klar, die Leute fühlen sich nur von englischen Begriffen abgestoßen, ansonsten würden die schon lange in Massen der rot-grün-braunen Volksfront, wie sie Elsässer gerne hätte, zu strömen.
Dass er allerdings nicht nur irgendwelche muslimischen MigrantInnen, sondern auch die konservative Rechte in sein Bündnis einbeziehen möchte, hat er ja schon öfter erklärt. Praktischerweise stellt er sein neuestes Pamphlet „Nationalstaat und Globalisierung“ (dass er in seinem Blog passenderweise mit dem Titel ‚Zeit für ökonomischen Patriotismus‘ ankündigt) direkt bei diesen vor, nämlich bei den ‚Preußen‘.

Schon wird mir vorgeworfen, ich hätte die Seite gewechselt und betriebe eine sogenannte Querfront, also eine Verbindung von Linksradikalen und Rechtsradikalen. Die Bedenkenträger der Political CCorrectness kann ich aber beruhigen: Zeit meines erwachsenen Lebens bin ich Linker und Antifaschist, und daran wird sich nichts ändern. Deswegen kommt für mich eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit Nazis, Rechtsradikalen und Antisemiten nicht in Frage, und gerade deswegen trete ich heute abend hier auf. Ich habe mich davon überzeugt, daß die Preußische Gesellschaft eine höchst respektable Vereinigung ist, die mit friderizianischer Toleranz die unterschiedlichen Positionen zu Wort kommen läßt. Ein Forum, wo Julius Schoeps, Hermann Simon, Bischof Wolfgang Huber, der polnische Botschafter und der US-Botschafter und nicht zuletzt der Vorsitzende der Linken, Lothar Bisky, aufgetreten sind, kann kein vernünftiger Mensch mit Rechtsradikalismus in Verbindung bringen. Aber heutzutage genügt es bekanntlich schon, ein Konservativer zu sein, um in die Nazi-Ecke geschoben zu werden. Auch etliche Linke machen ein Gleichheitszeichen zwischen Konservativen und Nazis. Ich halte das für grundfalsch und politisch verheerend, und zwar gerade weil ich Antifaschist bin. Wie hätten denn die Nazis gestoppt und Europa befreit werden können, wenn nicht Linke und Konservative im Widerstand zusammengearbeitet hätten?

Mal abgesehen davon, dass die Grenzen zwischen solchen Gruppen und der extremen Rechten natürlich fließend sind und nicht so klar gezogen werden können, versteigt er sich in seiner Paranoia vor PC-Kritik zu höchst absurden historischen Analogien. Denn offensichtlich hält er sein Querfront-Projekt für die Wiederauflage der Anti-Hitler-Koalition, nur dass diesesmal Hitler ne US-Heuschrecke ist. Ansonsten halte ich es grundsätzlich ja für passend, wenn er seinen Nationalstaatsfetisch unter seinesgleichen auslebt, nur scheint ihm der Absprung von der Linken nicht so recht zu gelingen.
Es wäre doch so vieles für ihn, so viel einfacher, wenn er endlich einsieht, dass er in der Linken nichts mehr zu suchen hat. Aber er quält sich und uns weiter mit seinen grotesken Vorschlägen und wird so schnell wohl auch nicht aufhören.
Und deswegen werden wir uns wohl noch länger seine Sorgen um Deutschland anhören müssen:

Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat in der letzten Ausgabe der Welt am Sonntag vorgerechnet, daß über elf Millionen deutscher Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden können, anders als bisher auch die Arbeitsplätze von Hochqualifizierten. In der Bild am Sonntag konnten man, ebenfalls am letzten Wochenende, lesen, daß die EU-Kommission zur Vermeidung von Diskriminierung von Deutschland verlangt, den Hartz-IV-Regelsatz auch an Asylbewerber auszuzahlen. In diese Richtung geht es.

Busfahren gegen Gott!

Der ein oder andere wird’s schon mitbekommen haben: In Deutschland soll die atheistische Buskampagne aus Großbritannien ebenfalls anlaufen. Auf der Homepage buskampagne.de kann man sich informieren und Bilder aus GB anschauen.
Für Deutschland gibt es 3 Motive, die eigentlich auf Buswerbeflächen in dt. Großstädten durch die Stadt fahren sollen.

Doch plötzlich haben Deutschlands Nahverkehrsbetriebe ihre konfessionelle Neutralität entdeckt. Während irgendwelche Religiösen einen dort belästigen durften, wird nun eine atheistische Buskampagne abgelehnt, um nicht irgendwelche religiösen Gefühle zu verletzen.
Wer trotzdem eine Spende für gottlose Buswerbung loswerden will, findet eine Möglichkeit auf ihrer Hompage.
Ich wünsch den Organisatoren noch viel Glück gegen diesen religiösen Wahnsinn!




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