Jürgen, lass gut sein.

Jürgen Elsässer, über den ich schon mal was geschrieben habe, ist ja durch seine Querfront-Volksinitiative gegen usraelische Heuschrecken oder so bekannt. Nachdem er aus einigen ‚linken‘ Zeitungen wie der Jungen Welt oder dem Neuen Deutschland geflogen ist und inzwischen bei jeder seiner Veranstaltungen mit Ärger rechnen muss, verlegt er sich nun darauf seinen Nationalismus freien Lauf zu lassen. Seine eigene erbärmliche Existenz nimmt er dabei zum Ausgangspunkt, um den Organisatoren der Proteste am 28.3. oder gegen den NATO-Gipfel in Straßburg zu erklären, warum ihre Mobilisierung nicht funktioniert hat. Und er kommt da zu recht ‚interessanten‘ Ergebnissen:

Das liegt auch an den noch schlechteren Slogans. “Make Nato history!”, “No to Nato”, “Make capitalism history!”, “Communism reloaded!” Wieviel Denglish darfs denn sein, meine Damen und Herren Autonomen? Und wenn wollt Ihr damit ansprechen? Arbeiter? Hartz-IV-Empfänger? Einwanderer aus der Türkei und anderen islamischen Ländern? Die werden sich bedanken, wenn Ihr sie in der Sprache des Imperiums, das ein moslemisches Land nach dem anderen überfällt, ansprecht. Sänk you for trävelling wis deutsche Antifa – sooo läuft das nicht!

Fast könnte man meinen, Elsässer wäre heimlich dem Verein zur Bewahrung der deutschen Sprache beigetreten. Englisch ist nun also die Sprache des Imperiums, die für einen Linken tabu sein müsste, um nicht den Anschluss an ‚das Volk‘ zu verlieren. Sein besonderes Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt muslimischer MigrantInnen zeigt schon in welche Richtung da die Bündnisse laufen sollen. Denn eines ist doch klar, die Leute fühlen sich nur von englischen Begriffen abgestoßen, ansonsten würden die schon lange in Massen der rot-grün-braunen Volksfront, wie sie Elsässer gerne hätte, zu strömen.
Dass er allerdings nicht nur irgendwelche muslimischen MigrantInnen, sondern auch die konservative Rechte in sein Bündnis einbeziehen möchte, hat er ja schon öfter erklärt. Praktischerweise stellt er sein neuestes Pamphlet „Nationalstaat und Globalisierung“ (dass er in seinem Blog passenderweise mit dem Titel ‚Zeit für ökonomischen Patriotismus‘ ankündigt) direkt bei diesen vor, nämlich bei den ‚Preußen‘.

Schon wird mir vorgeworfen, ich hätte die Seite gewechselt und betriebe eine sogenannte Querfront, also eine Verbindung von Linksradikalen und Rechtsradikalen. Die Bedenkenträger der Political CCorrectness kann ich aber beruhigen: Zeit meines erwachsenen Lebens bin ich Linker und Antifaschist, und daran wird sich nichts ändern. Deswegen kommt für mich eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit Nazis, Rechtsradikalen und Antisemiten nicht in Frage, und gerade deswegen trete ich heute abend hier auf. Ich habe mich davon überzeugt, daß die Preußische Gesellschaft eine höchst respektable Vereinigung ist, die mit friderizianischer Toleranz die unterschiedlichen Positionen zu Wort kommen läßt. Ein Forum, wo Julius Schoeps, Hermann Simon, Bischof Wolfgang Huber, der polnische Botschafter und der US-Botschafter und nicht zuletzt der Vorsitzende der Linken, Lothar Bisky, aufgetreten sind, kann kein vernünftiger Mensch mit Rechtsradikalismus in Verbindung bringen. Aber heutzutage genügt es bekanntlich schon, ein Konservativer zu sein, um in die Nazi-Ecke geschoben zu werden. Auch etliche Linke machen ein Gleichheitszeichen zwischen Konservativen und Nazis. Ich halte das für grundfalsch und politisch verheerend, und zwar gerade weil ich Antifaschist bin. Wie hätten denn die Nazis gestoppt und Europa befreit werden können, wenn nicht Linke und Konservative im Widerstand zusammengearbeitet hätten?

Mal abgesehen davon, dass die Grenzen zwischen solchen Gruppen und der extremen Rechten natürlich fließend sind und nicht so klar gezogen werden können, versteigt er sich in seiner Paranoia vor PC-Kritik zu höchst absurden historischen Analogien. Denn offensichtlich hält er sein Querfront-Projekt für die Wiederauflage der Anti-Hitler-Koalition, nur dass diesesmal Hitler ne US-Heuschrecke ist. Ansonsten halte ich es grundsätzlich ja für passend, wenn er seinen Nationalstaatsfetisch unter seinesgleichen auslebt, nur scheint ihm der Absprung von der Linken nicht so recht zu gelingen.
Es wäre doch so vieles für ihn, so viel einfacher, wenn er endlich einsieht, dass er in der Linken nichts mehr zu suchen hat. Aber er quält sich und uns weiter mit seinen grotesken Vorschlägen und wird so schnell wohl auch nicht aufhören.
Und deswegen werden wir uns wohl noch länger seine Sorgen um Deutschland anhören müssen:

Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat in der letzten Ausgabe der Welt am Sonntag vorgerechnet, daß über elf Millionen deutscher Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden können, anders als bisher auch die Arbeitsplätze von Hochqualifizierten. In der Bild am Sonntag konnten man, ebenfalls am letzten Wochenende, lesen, daß die EU-Kommission zur Vermeidung von Diskriminierung von Deutschland verlangt, den Hartz-IV-Regelsatz auch an Asylbewerber auszuzahlen. In diese Richtung geht es.





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