Niederbayern mag keine Flüchtlinge

Lagerunterbringung, Essenspakete, Residenzpflicht usw. usf. sind alles Instrumente des Staates, um es Migrant_innen möglichst unangenehm zu machen und um ihre sogenannte ‚Ausreisewilligkeit‘ zu steigern. Doch in Niederbayern scheint dieses Abschreckungspotenzial nicht auszureichen und so profiliert man sich durch ein bisschen zusätzliche Schikane. Als erstes hat man sich überlegt, dass man die Flüchtlinge doch nach Religionen voneinander separieren könnte: also werden in Niederbayern christliche und muslimische Flüchtlinge ab sofort voneinander getrennt untergebracht. Um keine Fragen zur Verhältnismäßigkeit einer solchen Trennung aufkommen zu lassen, hat man sich dann auch direkt beeilt und in einer Nacht und Nebel Aktion christliche Flüchtlinge aus anderen Unterkünften nach Deggendorf verfrachtet. Mal abgesehen davon, dass ein solch überraschender und unfreiwilliger Wohnortwechsel immer belastend ist, hat man auch nichtmal auf bestehende Arbeitsverhältnisse, Therapien oder Deutsckurse geachtet.

Behördensprecher Bragulla sagte, die Aktion sei nicht anders machbar. Sie sollte kein Leid verursachen. Mit Blick auf abgebrochene Kurse und Therapien sagte er: „So hart es klingt, das ist kein staatliches Thema. Deswegen schauen wir da nicht drauf.“


Viel verständnisvoller möchten sich die Landshuter Offiziellen darstellen. In Landshut besteht seit Jahrzehntet eine abgewrackte Asylunterkunft in die ca. 80 Menschen, teilweise auch immer wieder Kinder und Familien, eingepfercht werden. Nun hat man sich endlich nach jahrelangen Protesten dazu durchgerungen diese Schrott-Quartiere abzureißen und einen Neubau zu finanzieren. Finanzierung sollte die Regierung von Niederbayern übernehmen, die die 1.8 Millionen nach Verhandlungen auch zugesagt hatte. Doch dann kam die große Überraschung: unter der Asylunterkunft befindet sich ein großer Hohlraum, der den Grund unbebaubar macht (außer man würde angeblich bis zu 10 Millionen extra investieren, was man natürlich für Flüchtlinge nicht vor hat) und damit den Neubau unmöglich macht. Jetzt ist aber plötzlich die Sicherheitslage der Flüchtlinge akut gefährdet (Einsturzgefahr) und man möchte sie innerhalb einer Woche geschlossen ebenfalls in die Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Deggendorf verschleppen. Angeblich suchen alle beteiligten Stellen bereits eifrig nach Ausweichquartieren in Landshut, um zumindest die Härtefälle (traumatisierte Flüchtlinge, die hier psychologisch betreut werden; Flüchtlinge mit Arbeitsverträgen; etc.) hier behalten zu können.
Dass die Erkenntnis über den Hohlraum tatsächlich so ganz plötzlich kam, erscheint ein wenig seltsam angesichts von Presseberichten, dass während des Baus der alten Aylunterkunft die Bauarbeiter dieses Kellergewölbe als Pausenraum benutzt haben, d.h. dieser Raums also sowohl zugänglich als auch bekannt war.
Am Donnerstag sollen die Flüchtlinge nach Deggendorf abtransportiert werden, d.h. es wird sich jetzt schnell klären müssen, ob es Ausweichquartiere gibt, wer hier bleiben dürfte und was Flüchtlinge und Unterstützer_innen am Donnerstag machen, wenn tatsächlich Menschen gegen ihren Willen in den bayerischen Wald deportiert werden sollen.
Eine Lektion haben die betroffenen Flüchtlinge in Niederbayern aber sicher schon gelernt: hier sind sie unerwünscht und das lässt man sie auch gerne spüren.


1 Antwort auf „Niederbayern mag keine Flüchtlinge“


  1. 1 gelesen_Niederbayern mag keine Flüchtlinge | communisme Pingback am 30. Oktober 2010 um 10:30 Uhr
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