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Banksy’s Simpson Intro

Judith Butler eiert rum.

Judith Butler, die wohl bekannteste Feministin im aktuellen akademischen Betrieb, war in letzter Zeit mit verschiedenen Schlagzeilen in deutschen Medien präsent. Überregional große Beachtung hat ihre verweigerte Preisannahme beim Berliner CSD erregt. Der öffentliche Eklat kreiste dabei vor allem um die verkürzt wiedergegebene Kritik von Butler am CSD, dieser sei rassistisch und zu kommerziell.
Die TAZ hat, ob in Verteidigung des CSDs oder weil’s grad so schön gepasst hat, direkt ein Zitat von Judith Butler aus dem Jahr 2006 ausgegraben. Auf einem Teach In soll sie gesagt haben, dass sie Hisbollah und Hamas für progressiv und deswegen der globalen Linken zugehörig betrachtet. Einerseits war dieses Zitat offensichtlich dazu gedacht Judith Butlers Kritik am Berliner CSD zu diskreditieren, andererseits würde eine solche positive Bezugnahme auf islamistische Terrorracktes tatsächlich eine Einschätzung Judith Butlers nachhaltig negativ beeinflussen.
Dankenswerterweise hat die Jungle World dieses mediale Theater zum Anlass genommen, um ein recht ausführliches Interview mit Judith Butler zu führen und sie insbesondere im Hinblick auf dieses Zitat und ihre Kritik am CSD zu befragen. Und dieses Interview ist gelinde gesagt eine herbe Enttäuschung. Auch wenn andere Blogger bereits öffentliche Liebesbekundungen äußern, muss man mal die ‚ich lese alles zu Butlers Gunsten‘ Brille absetzen und sich kritisch anschauen was die gute Frau da so von sich gibt (ganzes Interview hier). Zu der Bezugnahme auf Hamas und Hisbollah erklärt Butler:

Als Antwort auf eine Frage aus dem Auditorium habe ich gesagt, dass – deskriptiv gesehen – diese Bewegungen in der Linken zu verorten sind, doch wie bei jeder Bewegung muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sie unterstützt oder nicht. Ich habe keine der genannten Bewegungen jemals unterstützt, und mein eigenes Engagement gegen Gewalt macht es unmöglich, das zu tun. Man könnte viel darüber sagen, wie diese Bewegungen entstanden sind und was ihre Ziele sind. Das würde bedeuten, sie als Bewegungen gegen Kolonialismus und Imperialismus zu verstehen. Jede Analyse müsste auch die gesellschaftlichen Dimensionen und den Ort der Gewalt im Kampf dieser Gruppen mit einbeziehen. Ich selbst habe mich deutlich gegen Gewalt ausgesprochen und in meinem Buch »Raster des Krieges« für reflexive, nicht gewalttätige Formen argumentiert. Ich habe also eine Meinung dazu, wie diese Bewegungen beschrieben und analysiert werden sollten, aber ich arbeite nicht mit ihnen zusammen und habe mich niemals für diese Bewegungen ausgesprochen.

Auf die explizite Nachfrage der Jungle World, ob es neben dem militanten Vorgehen nicht auch eine Unvereinbarkeit auf Grund des Antisemitismus bestehe, antwortet Butler:

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden. Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. Die Vorstellung, dass jede Kritik an Israel antisemitisch ist, lehne ich ab. Ich glaube, das ist eine reflexhafte Antwort, und zwar eine, die sich der Verantwortung entzieht, die Situation tatsächlich zu beurteilen. Denn es gibt im Judentum selbst eine starke »kritische« Tradition. Der einzige Grund, warum ich glaube, dass, deskriptiv gesehen, diese Gruppen unter die Kategorie »links« gehören, ist, weil sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen. Für Hugo Chávez könnte dasselbe gesagt werden, und es ist richtig, über seine Politik zu diskutieren und zu entscheiden, ob man sie unterstützt oder nicht. Im Bezug auf Hamas und Hizbollah bedeutet das, zu diskutieren, ob ein gewalttätiger Widerstand akzeptabel ist, und ich selbst habe mich entschieden, gewaltlosen Widerstand zu unterstützen.

Und hier wirds richtig widerlich. Denn Judith Butler begeht hier meines Erachtens mehrere begriffliche Fehler und versucht insgesamt einer klaren Antwort auszuweichen. Als erstes schon ihre Beurteilung der Hamas und Hisbollah als deskriptiv progressiv und links. Offensichtlich verwechselt Butler hier die Begriffe progressiv und links mit antiimperialistisch und gegen-hegemonial. Aber ihr reichen anscheinend Antikolonialismus und Antiimperialismus für ihre Einschätzung aus und der Verweis auf Chavez zeigt, in welcher simplen Denke sie da argumentiert. Peinlich ist auch ihre Aussage, man müsste erstmal untersuchen, ob Hamas und Hisbollah antisemitische Positionen vertreten… wann will man das denn machen bzw. warum, wenn man sich zu dem Thema äußern will, hat man das noch nicht gemacht? Und welche umfangreichen Forschungen sind denn notwendig, um den Antisemitismus aus der Hamas Charta rauszulesen? Insbesondere da sie auf umfangreiche Überlegungen zu der Entstehung dieser Bewegungen verweist, ist diese Unwissenheit über den Charakter der Organisationen unglaubwürdig.
Offensichtlich soll nicht sein, was nicht sein darf. Denn antisemitische Organisationen als progressiv und links bezeichnen wäre auch in der eigenen Selbstwahrnehmung nicht die richtige Wahl, nachdem sie Hamas und Hisbollah aber genau als progressiv und links bezeichnet hat, muss sie deren Antisemitismus verschleiern hinter irgendeiner vorgeschobenen Unwissenheit. Diese ‚neue jüdische Linke‘, der sie sich zurechnet, sollte vielleicht erstmal grundsätzliche Koordinanten der Konfliktlage klären, bevor man dem Hauptzweck „den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt durch Israel [zu kritisieren]“ folgt.
Dieses Gelaber ohne Substanz setzt sich dann auch bei anderen Themen fort. So hat Butler in ihrer CSD Kritik unter anderem auf Rassismus verwiesen. Da mag sie angesichts mancher Tendenzen in den offiziellen Verbandsstrukturen usw. auch gar nicht so unrecht haben. Nur wenn man so einen Vorwurf massenmedial raushaut, dann sollte ein bisschen mehr Sachkenntnis auf Nachfrage verfügbar sein:

„Hampels Gruppe Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei. […] (eine Frage weiter und auf explizite Nachfrage) Jedenfalls habe ich nie gesagt, dass Maneo behauptet, Homophobie finde sich nur bei Mi­grantInnen.“

Der Rest ist schwammiges Ausweichen und Rumgedrücke. Das ist wirklich peinlich, denn ein bisschen inhaltliche Substanz würde auch einer weltbekannten Feministin, deren theoretische Arbeiten ich auch sehr schätze, nicht schaden. Denn diese Art und Weise der Argumentation schadet dem inhaltlichen Anliegen in jedem Fall und diskreditiert u.a. auch die Kritik am CSD als substanzlos.

Hexenjagd

Schon wieder ein Fortsetzungsbeitrag. Die Bandbreite, eine ‚linke‘ HipHop-Band die sich vor allem mit kruden Verschwörungstheorien in den Vordergrund gedrängt hat, hat ihr neues Album veröffentlich: Hexenjagd.
Der Titel drückt die tiefsitzende Paranoia der beiden ‚Künstler‘ aus, denn diese fühlen sich tatsächlich verfolgt und suggerieren in ihrem Trailer den kurz bevorstehenden Flammentod:

Damit nicht genug. Wer so tapfer für die Wahrheit ficht, lässt sich natürlich nicht von irgendwelchen fiesen Kritikern daran hindern und deswegen klärt die Bandbreite weiter auf. Vom Reichstagsbrand bis zu den Terroranschlägen in Madrid erkennt sie immer die selbe Taktik. Die bösen Herrschenden belügen das Volk und schaffen sich durch Attacken unter falsche Flagge selber die Gründe für ihren repressiven Herrschaftsapparat. Denn immerhin haben die Selbstmordattentäter von London Rückfahrtickets gekauft. Riecht das nicht nach einer ganz großen Verschwörung?

Kulturtipps I

Ein 40 Stunden/Woche Praktikum für 0 € (‚das ist in der Branche üblich‘ – lol) bietet Gelegenheit youtube näher kennen zu lernen. Deswegen hier 2 Top-Kulturtipps:

Marc Uwe Kling
Im Internet unter http://www.marcuwekling.de/ zu finden. Bekannt geworden durch seine Auftritte bei Poetry Slams und seine Geschichten vom Känguru, hat er aber auch n paar Lieder im Angebot. Neben der ‚Homage‘ an Josef Ackermann begeistert vor allem sein SPD-Hit ‚Wer hat uns verraten‘:

Rainald Grebe

Oft in der Kombo mit der Kappelle der Versöhnung unterwegs bietet er unterhaltsames Liedgut für jede Gelegenheit. Als erstes seine künstlerische Verarbeitung der brandenburgischen Tristesse:

Und fast noch besser: Rainald Grebe als Kai Diekmann erklärt die 68er

Trash mit Style

Antifa heißt….

Aktuell läuft im Antifaschistischen Infoblatt eine Debatte um antifaschistische Praxis und Theorie mit Beiträgen von der Kampagne ‚NS Verherrlichung stoppen“, der ALB, der ALI, LeA und TOP Berlin. Ebenfalls in der neuen AIB ist ein Interview-Streitgespräch zwischen Antifaschistische Koordination Köln & Umland [AKKU] und Antifa AK Köln, was insbesondere dadurch Relevanz besitzt, dass [AKKU] sich tendenziell der Interventionistischen Linken und der Antifa AK dem UmsGanze Bündnis zurechnen, d.h. in dem Interview geht es auch um die strategische Orientierung dieser bundesweiten Zusammenschlüsse am Beispiel des Antiislamkongresses in Köln: Diskussion hier
Die Blogwelt hat die Diskussion aufgegriffen und eifrig diskutiert:
Bikepunk hat zwei Beiträge dazu veröffentlicht.
Auch im*moment*vorbei hat sich dazu geäußert und eine ausführliche Diskussion angezettelt.
Diskussion gab’s auch bei Rockstar und M-Punkt. Allerdings hat die Diskussion bei M-Punkt weniger eine Standortbestimmung der Antifa, sondern eine Diskussion um das GSP-‘Argument‘, dass eine Gegnerschaft zum Faschismus eine Parteinahme und ein Lob der Demokratie bedeuten würde, ausgelöst… wer’s mag.
Erinnern möchte ich hier auch noch daran, dass dies natürlich nicht die erste Antifa-Debatte ist. Vor einigen Jahren gab’s in der Phase Zwei schonmal so eine Diskussion, die ich hier auch kurz dokumentieren möchte:
Gestartet in der Ausgabe 14 mit dem sympathischen Titel ‚Wie deutsch sind die Nazis?‘, fortgesetzt mit der ‚Wort zum Sonntag – Flaschenpost an die Restvernunft‘ der Autonomen Antifa [f], dem ‚Antifa Chainsaw Massacre‘ von Bad Weather und einem Abschlussbeitrag der KP Berlin. Dazwischen gab’s noch einige andere Beiträge, die sich alle online bei der Phase 2 nachlesen lassen.
D.h. entgegen der Vermutung mancher KritikerInnen findet Antifa nicht nur in Form sportlicher Betätigung auf der Straße, sondern auch in Papierform als theoretische Auseinandersetzung statt.

Vote or die!

Jetzt läuft die Abstimmung bei politischesplakat und die Blogwelt trommelt schon für den jeweiligen Favoriten. Aktuell liegt mein persönlicher Favorit vorne und das soll natürlich auch so bleiben. Also geht voten oder P. Diddy macht euch Beine:

Und jetzt kommt die Werbung…

Gestern war im Jz Dorfen CD-Release-Party von ‚Tut das Not‘. Eine der wenigen Punk-Kapellen die nicht nur mit guter Musik, sondern auch noch mit intelligenten Texten aufwarten können und das schon seit 10 Jahren.
Auf ihrer MySpace Seite kann man ein bisschen reinhören, insbesondere auch 3 Lieder vom neuen Album stehen zum Abruf bereit. War echt n klasse Konzert, mal abgesehen davon, dass Punkmusik unweigerlich Punks anzieht. Eine wirklich störende Nebenerscheinung, denn irgendwie kann ich mich nicht daran erfreuen, wenn sich irgendwelchen 16 jährigen Halbstarken gegenseitig mit Bier überkippen oder meinen Pogo müsste notwendigerweise Verletzte nach sich ziehen. Punk ist einfach nur noch die jugendliche Abasselphase von irgendwelchen Kiddies, die ihre Eltern durch die zur Schau gestellte Blödheit erschrecken wollen. Zum Glück hab ich mir die neue Tut das Not CD gleich käuflich erworben und muss deswegen so schnell nicht mehr auf ein Punkkonzert.

Tut das Not

P.S.: Tut das Not haben die beste Version des Arbeitereinheitsfrontliedes, die jemals der Öffentlichekeit zugänglich wurde, auf ihrem Album Fremdwelt veröffentlich. Unbedingt besorgen!

Das beste, das schönste, das tollste…

Leistungsgesellschaft 2008/2009: Popstars, Germanys next Topmodel, Deutschland sucht den Superstar und ab diesem Jahr The biggest Looser… egal ob man angeblich singen, tanzen, laufen oder auch nur abspecken kann, es gibt immer eine Show in der man sein Können mit dem von anderen in Form eines Wettkampfes vergleichen kann. Konkret hat dies mal treffend als die Kulturalisierung und Vermarktung der Bewerbungssituation beschrieben, denn der einzelne wird darauf konditioniert noch jede entwürdigende Aufgabe über sich ergehen zu lassen, solange er davon träumen darf, dafür mit einem miesen Knebelvertrag ‚entschädigt‘ zu werden.
Doch jetzt kommt die politisch korrekte Ersatzdroge, das Spice der Castingshows, in Form von Abstimmungen über Germanys next Top Transpi in verschiedenen Ausführungen und ganz aktuell die Wahl zum besten Plakat 2008 bei politischesplakat. Mein persönlicher Favorit von der Redical M ist auch schon nominiert, sobald die Abstimmung gestartet wird, werdet ihr natürlich informiert:

Krieg im Nahen Osten – Kurzkommentar

Seit Tagen tobt eine recht blutige Militäroffensive Israels durch Gaza. Neben der berechtigten Sorge um das Leid der Zivilbevölkerung ist der Konflikt politisch so aufgeladen, dass es mit einem einfachen Ruf nach Frieden nicht getan ist. Ganz im Gegenteil lauern überall ganz falsch Freunde, mit denen man rein gar nichts zu tun haben möchte. Da gibt es die bellizistische Anti-D Fraktion, die jede Bombe für ne antifaschistische Tat hält, und da gibt es die JungeWelt, die mich hier ja schon öfter beschäftigt hat (Diskussion zum aktuellen Konflikt gabs auch in der Kommentarspalte eines älteren Beitrags von mir).
Aktuell hat mal wieder Werner Pirker seine ‚Meinung‘ zum Besten gegeben. Schon der Titel ist gruselig: „Selbstverteidigung. Zivilisten als Zielobjekt“, denn mit Zivilisten als Zielobjekt meint er nicht etwa die Hamas, die mit ihren Raketen NUR auf Zivilisten schießt, sondern Israel. Ansonsten bringt er es fertig, in dem ganzen Text nicht ein einziges Mal zu erwähnen, dass es auch israelische Opfer von Hamas-Raketenangriffen gibt. Stattdessen zeichnet er ein Bild von einer blutberauschten Armee, die sich gerade noch zurückhält, um nicht kleine Kinder zum Frühstück zu essen. Ansonsten schwelgt der Autor wie üblich in Bewunderung über die „räumliche und auch organische Verbindung zwischen Widerstandsbewegung und Bevölkerung“, die sich gegen Israel nur mit „verzweifelten palästinensischen Widerstandsaktionen“ wehrt. Was Hamas-Sympathistanten wie Pirker in der Linken verloren haben….
Dabei hat Redok erst über durchaus fruchtbare Verbrüderungsaktivitäten von Nazis und Islamisten berichtet, vielleicht käme Pirker das gelegen.
Ein interessanter Beitrag, da nicht auf typisch deutsche Grabenkämpfe aus, findet sich bei Cosmoproletarian Solidarity mit dem charmanten Titel ‚Querfront sucks! Gegen Krieg und Islamismus!‘, in dem insbesondere die Tendenz sich mit reaktionären Bewegungen zu solidarisieren, nur weil diese in einem Konflikt die unterlegene Partei sind, kritisiert wird.




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