Archiv der Kategorie 'Religion'

Busfahren gegen Gott!

Der ein oder andere wird’s schon mitbekommen haben: In Deutschland soll die atheistische Buskampagne aus Großbritannien ebenfalls anlaufen. Auf der Homepage buskampagne.de kann man sich informieren und Bilder aus GB anschauen.
Für Deutschland gibt es 3 Motive, die eigentlich auf Buswerbeflächen in dt. Großstädten durch die Stadt fahren sollen.

Doch plötzlich haben Deutschlands Nahverkehrsbetriebe ihre konfessionelle Neutralität entdeckt. Während irgendwelche Religiösen einen dort belästigen durften, wird nun eine atheistische Buskampagne abgelehnt, um nicht irgendwelche religiösen Gefühle zu verletzen.
Wer trotzdem eine Spende für gottlose Buswerbung loswerden will, findet eine Möglichkeit auf ihrer Hompage.
Ich wünsch den Organisatoren noch viel Glück gegen diesen religiösen Wahnsinn!

Da steppt der Bär…

so erstmal Urlaub und deswegen einige Tipps für Menschen mit zuviel Freizeit:

Camp in Hamburg läuft ja schon, deswegen weitere Events im Überblick.

Erstmal ist in Köln großer Anti-Islam-Kongress verschiedener rechtspopulistischer Gruppen (Pro Köln, FPÖ, Vlaams Belang, Front National usw. usf.) gegen den bundesweit mobilisiert wird + einen Gegenkongress. Aufruftechnisch hat ‚Ums Ganze‘ mal wieder vorgelegt und einen wirklich lesenswerten Aufruf inklusive Rundumschlag gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse abgeliefert.

Da ich nach Köln wohl nicht kommen kann, noch etwas weiter voraus geplant: Tag der deutschen Einheit! Zentrale Feierlichkeiten sind wohl in Hamburg, weshalb dort eine bundesweite Demo + Kongress abgehalten werden soll. Genaueres steht wohl noch nicht, denn der Mobi-Blog gähnt einen ziemlich leer an, aber das wird sicher noch. Konkurrenz gibt’s auch schon, denn ARAB kündigt für Berlin eine bundesweite, anti-nationale Nachttanzdemo an… auch wenn anti-national jetzt ein Prädikat ist, dass ich nicht unbedingt der ARAB zugerechnet hätte, klingt der Aufruf ganz ok und Nachttanzdemo sowieso spaßig!

Jesus Christ Superstar

Gefunden beim eso-watch-Blog. Thematisch passend zu Ostern wird hier die wahre Geschichte von Jesus Tod musikalisch untermalt präsentiert:

Kosmoproletarische Solidarität!

Ein Aufruf zum 8. März, dem internationalen Frauentag von den Gruppen Arbeiterkommunistische Partei des Iran und Gleiche Rechte jetzt spricht einige Einsichten aus, die in den Grabenkämpfen der deutschen Linken oft genug der plumpen Identitäspolitik weichen müssen. Durch solche Texte sollte klar werden, dass man weder ganze Bevölkerungsgruppen pauschal als reaktionär oder fortschrittlich deklarieren kann, noch irgendwelche ‚rückständigen Völker‘ der Aufklärung und Hilfe deutscher IdentitätspolitikerInnen bedürfen.

Heute ist die Frauenrechtsbewegung im Iran wieder die Vorhut einer revolutionären Bewegung der Freiheit und Gleichheit. Während bedauerlicherweise weite Teile der hiesigen Linken sich in ihren ideologischen Schützengräben eingraben und Emanzipationspotenzial entweder in US-amerikanische F16-Bomber oder in eine Querfront mit den religiösen Faschisten des Politischen Islam hineinfabulieren, zeigt sich für jeden und jede, der und die projektionsfrei auf den Iran blicken, unzweifelhaft wer das Subjekt für eine fortschrittliche Perspektive ist. Die freiheitsliebende Bevölkerung des Irans bringt ihren Protest gegen das menschenverachtende Mullah-Regime Tag für Tag zum Ausdruck – auf der Straße, in den Universitäten, in den Fabriken, in Kurdistan. Trotz der Repressionen des islamistischen Regimes und ihrer Hizbollah-Bluthunde, die jede emanzipatorische Regung im Keim zu ersticken versuchen.

Damit wird dem beliebten Spiel deutscher Linker sich in der identitären Projektion in andere Akteure auf der Weltbühne zu sonnen eine Absage erteilt. Gleichzeitig verfallen die Aufrufenden nicht in Resignation, sondern benennen ihre Perspektiven:

Wir wollen am 8. März, dem Kampftag für alle unbeugsamen und freiheitsliebenden Frauen, zeigen, dass wir uns mit den ungehorsamen Frauen im Iran, in Afghanistan und weltweit zutiefst verbunden fühlen und wir uns nicht zwischen den imperialen Ordnungskriegern und den islamistischen Kulturkriegern zerreiben lassen. […]
Wir wollen deutlich machen: die unüberwindbare Konfliktlinie verläuft nicht zwischen dem sich als Kultur generierenden Politischen Islam und dem US-amerikanischen und EU-europäischen Ordnungsimperialismus, sondern zwischen der Barbarei der Religion und der Kapitalherrschaft einerseits und dem Freiheitsdurst der Frauen und anderen freiheitsliebenden Menschen andererseits. Unsere Solidarität gebührt dem mutigen Widerstand der ungehorsamen und ketzerischen Menschen im Iran, in Afghanistan und weltweit.
Am 8. März 2008 wollen wir für die Freiheit der Frauen und gegen den islamischen Tugendterror, dem sie ausgesetzt sind, demonstrieren. […]
Wir antworten, den Kampf, den die Frauen im Iran begonnen haben, betrifft uns alle. Sie verteidigen die menschlichen Errungenschaften der Aufklärung und Emanzipation gegen die Barbarei! Hoch die internationale Solidarität!
Lang lebe der 8. März!

In Punkto Projektionsspielchen der deutschen Linken hat die Gruppe Sinistra! Radikale Linke [Frankfurt] in der letzten Phase Zwei einen interessanten Artikel mit dem Titel „Der Hauptfeind ist Deutschland“ herausgebracht. Sie kommt zu der vielleicht in letzter Konsequenz etwas überspitzten Einsicht, dass man angesichts der Verhältnisse hier und der Situation der radikalen Linken lieber vor der eigenen Haustüre kehren sollte, anstatt sich zum Möchtegern-Weltstrategen aufzuspielen. In ihren Worten klingt das dann so:

Der Weg des alltäglichen Kampfes gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus usw. usf. ist unspektakulär, steinig, von Misserfolgen geprägt und deshalb oftmals frustrierend. Ungleich einfacher erscheint da doch der Weg der Identifikation mit einem mächtigen Akteur, der gewissermaßen stellvertretend für die deutsche Linke das durchzusetzen verspricht, wozu diese offenkundig außerstande ist. Dies gilt dabei für verschiedene linke Fraktionen durchaus gleichermaßen: Während die einen ihre enttäuschten revolutionsromantischen Hoffnungen auf mehr oder weniger emanzipatorische und heutzutage zumeist sehr fragwürdige Befreiungsbewegungen der Dritten Welt setzen, üben sich die anderen, die historische Konstellation des 2. Weltkriegs neu aufleben lassend, im virtuellen Schulterschluss mit der US-Army. Dass dabei sowohl TrikontpartisanInnen als auch amerikanische Regierung jenseits idealistischer Bekundungen ihre eigenen politischen und ökonomischen Interessen verfolgen, ohne von irgendwelchen linken Szenediskussionen auch nur die geringste Notiz zu nehmen, ist die dabei gerne übersehene Realität.
In einem Land, in dem der Rassismus fest zum Alltag gehört, ein Drittel der Bevölkerung trotz gründlich betriebenen Massenmordes nach wie vor der Ansicht ist, dass die Juden hier zu viel Einfluss haben, Teile des Landes als so genannte National befreite Zonen bzw. No Go Areas für Menschen nicht-arischen Aussehens gelten und beinahe täglich offen nationalsozialistische Aufmärsche vom Staat gewaltsam durchgesetzt werden, sollte eigentlich klar sein, wo das Problem zu verorten ist: nicht jenseits des Atlantiks, nicht am Hindukusch und auch nicht irgendwo, sondern genau vor unserer Nase, dort wo vor sechs Jahrzehnten das größte Menschheitsverbrechen stattfand, im Land der Täterinnen und Täter, in Deutschland.

Der Aufruf zum Weltfrauentag zeigt natürlich klar, warum man jetzt nicht in negativer nationaler Borniertheit den Blick auf die Welt verschließen sollte, aber ein kleines bisschen Zurückhaltung und Bescheidenheit angesichts der eigenen Schwäche stünde vielen wahrscheinlich ganz gut. In diesem Sinne: kosmoproletarische Solidarität mit den Kämpfen der Frauen weltweit!

Anti-muslimischer Rassismus

Die Gruppe Soziale Kämpfe aus Berlin (Ex-KP Berlin) hat einen lesenswerten Text zu anti-muslimischem Rassismus in der arranca veröffentlicht. Darin versuchen sie Antworten auf die Frage „Wie lassen sich ein linker Zugang und linke Praxis in diesem Feld bestimmen, was haben die Prozesse mit der globalen Veränderung zu tun?“ zu geben.

Der Terminus „anti-muslimischer Rassismus“ soll eine spezifische Form von Rassismus bezeichnen, die sich bspw. von biologistischen Rassenvorstellungen unterscheidet:

Aktuell spielt die Bezugnahme auf Muslime eine bestimmende Rolle – im Diskurs um Terror, Integration und sozial und bildungsmäßig „abgekoppelte“ gesellschaftliche Schichten. Dieser Rassismus beschränkt sich nicht auf Muslime, aber er thematisiert „die Anderen“ wesentlich als Angehörige einer vorgeblich anderen und gefährlichen Kultur und Religion. Wo im Fordismus die Einbindung der Unteren noch über materielle Zugeständnisse, Sozialstaat und das Versprechen einer berechenbaren/wünschbaren Zukunft verlief, hat der aktuelle, neoliberale Kapitalismus nichts zu bieten außer Angst, Kontrolle und Sicherheit.

Damit wird nicht nur die kulturalistische Form dieses Rassismus hervorgehoben, sondern auch seine Verschränkung mit einem allgemeinen Sicherheitsdiskurs. Für den kapitalistischen Kontrollstaat ergeben sich damit zwei Funktionen der Herrschaftsstabilisierung.

1. Terror & Gefahr werden einseitig auf eine Religionsgruppe projiziert, womit die restliche Gesellschaft von der Verantwortung für diese Verhältnisse gänzlich entlastet wird und man nach dem Sündenbockprinzip repressiv die vermeintliche Problemursache bekämpfen kann

2. Der islamistische Fundamentalismus wird ethnisiert und damit sein Charakter als Krisenideologie entpolitisiert. Dadurch kann der Zusammenhang zwischen sozialen Verhältnissen, kapitalistischer Krise und reaktionären Ideologien komplett ausgeblendet werden

Die damit geschaffene argumentative Grundlage wird herangezogen als Legitimation für weitere Sicherheitsverschärfungen durch den Staat. Aber nicht nur „von oben“ wird dieser Diskurs dankbar aufgegriffen, sondern findet auch „seine Resonanz in Unsicherheitserfahrungen der Freigesetzten“. D.h. hier findet eine doppelte Projektionsleistung statt auf Kosten kulturell definierter ethnischer Minderheiten. Die Gruppe Soziale Kämpfe fasst die Grundstruktur dieser rassistischen Formation so zusammen:

- Grundrechte werden nicht als „unveräußerliche Rechte“ gedacht, sondern als Privilegien, die abhängig von Wohlverhalten und eigenenIntegrationsleistungen zugeteilt werden.

- Der Islam erscheint als monolithische Formation. Islamismus sei ein international verzweigtes Terrornetzwerk, dem potenziell jeder „muslimisch“ aussehende/sich verhaltende Mensch zugehörig sein könnte.Das zieht die notwendigen Einschränkungen von Rechten nach sich – andersherum werden diejenigen, die auf diese Rechte pochen, verdächtigt, sich zum „nützlichen Idioten“ für die Verbreitung von Terrorismus zu machen.

- Migration/Integration kommt zunehmend nur noch in religiösen Chiffren, als „Islam“ vor. So richtet die Regierung runde Tische ein und aufgeregte Diskussionen drehen sich darum, welche Vertreter welcher Religionen einzuladen seien. Zur Bekämpfung von gesellschaftlichen Spannungen gelte es auf den „Dialog der Religionen“ zu setzen. Diese Positionen verstärken die kulturalistischen Wahrnehmungen.

- (Ethnische) Unterschichtung – die systematische Zuweisung von sozial schlechter gestellten Positionen – wird nicht als Ergebnis gesellschaftlicher Zuweisungen und Ausgrenzungshandlungen, sondern mangelnder persönlicher Integrationsleistung gesehen. Verändert werden muss nicht die gesellschaftliche Verteilung, sondern die individuelle Anstrengung. Wem die Integration nicht gelingt, der hat sich nicht bemüht oder ist durch die Sprachbarrieren seines Elternhauses gehindert worden. Die Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum ist aus den öffentlichen Diskussionen nahezu vollständig verdrängt.

Was kann nun eine linke Reaktion auf eine solche ideologische Formation aussehen? Die linke Kritik an der Religion im allgemeinen und des fundamentalistischen Islamismus im speziellen verunmöglichen eine plumpe Solidarisierung. Aber, wichtig bleibt zu betonen,

Wer schweigt, stimmt zu. Das gilt immer und damit verbietet es sich für uns, uns rauszuhalten, wenn ein ganzer Stadtteil mitsamt den örtlichen und überregionalen Nazis gegen eine Bevölkerungsgruppe mobilisiert. Die Situation ist wie geschaffen dafür, dass die Nazis sich zu „Volkes Stimme“ aufschwingen und tatsächlich hat es im März auch schon einen ersten Brandanschlag auf das Gelände gegeben. Dagegen gilt es die Leute zu schützen, unabhängig davon, was man privat und politisch von ihren privaten Religionsvorstellungen hält.

Nicht nur das konkrete Schutzbedürfnis der Betroffenen, sondern auch die vorher erwähnte Funktion des anti-muslimischen Rassismus für den Staat bzw. den nationalen Mob als Projektionsfläche müssen bedacht werden, wenn man sich nicht zu deren Steigbügelhaltern degradieren will.

Die theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen zu diesem Thema werden noch lange andauern, vor allem auf Grund der verzwickten Gemengenlage. Ich bin schon gespannt auf weitere Überlegungen der Gruppe Soziale Kämpfe.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch auf den von der nicht mehr existenten Gruppe KP Berlin herausgegebenen Reader „Islamismus – Kulturphänomen oder Krisenlösung?“ hingewiesen, der auch schon einige gute Texte zu diesem Themenkomplex enthalten hat (Vielleicht gibt’s den noch in linken Buch- und Infoläden?)

Ferkel statt Gott!

Eine aktuelle Kampagne des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Zensur eines religionskritischen Kinderbuches mit dem Namen „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ nötigt mich jetzt zum ersten Beitrag.
Das Ministerium behauptet ein religionskritisches Kinderbuch sei „geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer (sic!) eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden“. Was ein Unsinn. Mit dieser Argumentation könnte man zwar zu Recht die Religionen auf den Müllhaufen der Geschichte werfen, wo sie hingehören, aber mit dieser Begründung gegen Humanisten und Religionskritiker vorzugehen, ist geradezu grotesk.
Die Giordano Bruno Stiftung und der Alibri Verlag haben nun eine Kampagne gegen den Zensurantrag gestartet.

Rettet das Ferkel!

Nachdem ich mir die Seite ein bisschen angeschaut habe und ich sowieso humanistische Religionskritik befürworte, gebe ich jetzt noch einen anti-religiösen Merchandise-Tipp:

Zwei Kollektionen der „Glaubst du noch oder denkst du schon“-Postkartenserie im Denkladen zu erstehen mit sensationellen Motiven

Kollektion 1

Kollektion 2

Als Abschluss noch ein Zitat aus einer Petition der Giordano Bruno Stiftung

Fazit: Hätten die Aufklärer der Vergangenheit nicht den Mut aufgebracht, religiöse Gefühle zu verletzen, würden in Europa die Scheiterhaufen wohl heute noch brennen. Angesichts der sehr realen Gefahr, dass wir möglicherweise auf ein Zeitalter der Religionskriege zusteuern, brauchen wir deshalb in der gegenwärtigen Situation nicht weniger, sondern weit mehr religionskritische Stimmen in der öffentlichen Debatte. Die Zeiten, in denen weltanschauliche Offenheit religiösem Offenbarungswahn geopfert wurde, sollten endgültig vorbei sein!




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